Berlin : Gefährlicher Schulweg: Raser machen auch vor Kindern nicht Halt

Friederike Böge

Die Rücksicht der Berliner Autofahrer gegenüber Schulkindern hat deutlich nachgelassen. Das geht aus einer gestern vorgestellten Statistik zur Schulwegsicherung hervor. Anlass war die Eröffnung der diesjährigen Verkehrserziehungswoche, die wieder unter dem Motto: "Erste Klasse - Berlin passt auf" steht. Demnach erwischte die Polizei innerhalb der ersten Schulwoche 1999 in unmittelbarer Nähe von Schulen 4200 Autofahrer mit erhöhter Geschwindigkeit. Das waren 150 Prozent mehr als im Vorjahr. "Auch in diesem Jahr werden wir anlässlich des Schulbeginns alle zur Verfügung stehenden Radargeräte im Nahbereich von Grundschulen und Kindertagesstätten einsetzen", kündigte die Polizei an.

24 800 Erstklässler sind ab heute auf Berlins Straßen unterwegs. "Viele der Kinder nehmen zum ersten Mal aktiv am Straßenverkehr teil. Deshalb besteht in den ersten beiden Wochen nach der Einschulung eine erhöhte Unfallgefahr", resümiert Polizeioberrat Karsten Schlüter die alljährlichen Erfahrungen. Schulkinder der unteren Klassen seien auch deshalb besonders gefährdet, weil ihr Blickfeld eingeschränkt und ihr Hörvermögen nicht voll ausgeprägt seien.

Insgesamt ist die Zahl der verunglückten Kinder in Berlin in den letzten fünf Jahren deutlich gesunken. Während 1995 noch 1776 Kinder auf Berlins Straßen zu Schaden kamen, waren es im Vorjahr 1562. Schlüter führte dies auf verbesserte Verkehrserziehung und eine gezieltere Unfallbekämpfung zurück. Im gleichen Zeitraum stieg allerdings die Zahl der Kinder, die mit dem Fahrrad verunglückten. Der Polizeioberrat warnte deshalb, viele Eltern bereiteten ihre Kinder nicht genügend auf den Straßenverkehr vor. Die Radfahrprüfung in der vierten Klasse reiche als Vorbereitung allein nicht aus.

"Eltern von Erstklässlern sollten mit ihren Kindern immer den gleichen Weg zur Schule gehen", rät Verena Wittchen, Grundschullehrerin an der Schwielowsee-Schule in Schöneberg. Nach einer Woche sollten sie ihre Kinder dann allein gehen lassen, sie aber dabei weiterhin beobachten, um kein Risiko einzugehen.

Verkehrssenator Peter Strieder bekräftigte die Pläne des Senats, 230 zusätzliche Zebrastreifen einzurichten, die unter anderem die Schulwegsicherung verbessern sollen. Auch hier wird die Polizei verstärkt überwachen, da "die Akzeptanz für die Zebrastreifen in Berlin erst noch geweckt werden muss". Die Schirmherrschaft für die Verkehrserziehungswoche übernahm der Regierende Bürgermeister.

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