Berlin : Gefährlicher Sextäter soll ins Heim nach Berlin

Brandenburger war nur wegen einer Gesetzeslücke aus der Haft entlassen worden. Der Mann hatte neun Kinder missbraucht

Thorsten Metzner,Lars von Törne

Der als gefährlich geltende Brandenburger Sexualstraftäter Uwe K., der Ende Januar in Brandenburg allein wegen einer Gesetzeslücke frei kam, kommt möglicherweise in eine offene betreute Einrichtung in Berlin. Das Potsdamer Justizministerium bestätigte am Dienstag, dass bei der Suche nach einer Unterkunft für K. „auch außerhalb des Landes“ Gespräche geführt würden. Nach Tagesspiegel-Informationen soll der 42-Jährige, der Anfang der 90er Jahre in Falkensee neun Mädchen zwischen 13 und 15 Jahren missbraucht hatte, möglicherweise in eine Berliner Klinik kommen. Im Land Brandenburg hat sich aufgrund absehbaren öffentlichen Wirbels bislang keine offene Einrichtung für Haftentlassene gefunden, die ihn aufnehmen will.

Noch ist Uwe K. in der geschlossenen Psychiatrie in der Stadt Brandenburg. Nachdem der Mann am 25.Januar nach elfjähriger Haftstrafe ohne Wissen der Polizei und des Justizministeriums aus der Justizvollzugsanstalt Brandenburg an der Havel entlassen worden war, war er auf Antrag des kommunalen Gesundheitsamtes dorthin vorläufig zur „Gefahrenabwehr“ eingewiesen worden. Doch jetzt hob das Landgericht Potsdam die Einweisung von K. in die gesicherte forensische Psychiatrie wieder auf. Es begründete dies mit einem neuen forensischen Gutachten, das bei K. zwar psychische Abweichungen, aber keine schwerwiegende Störung feststellt, die für eine Zwangsunterbringung in der Psychiatrie Voraussetzung wäre. Dazu müsste K. nicht mehr im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte sein. Da er aber weiß, was er tut, blieb den Richtern keine andere Wahl.

An seiner Gefährlichkeit ändert das nichts. Experten sind sich einig, dass Uwe K., der in der Haft eine Therapie abgelehnt hatte und keine Reue zu seinen Taten zeigte, rückfallgefährdet ist und eigentlich ins Gefängnis gehört. Aber der Versuch, die „tickende Zeitbombe“ (Generalstaatsanwalt Erardo Rautenberg über Uwe K. ) dauerhaft hinter Gitter zu bringen, war an einer Gesetzeslücke zur nachträglichen Sicherungsverwahrung in Ostdeutschland gescheitert. Diese hat der Bundestag nicht zuletzt aufgrund dieses Falls zwar im März geschlossen, doch für K. kommt das Gesetz zu spät. Nachdem auch seine Unterbringung in der Psychiatrie scheiterte, muss er nun auf freien Fuß gesetzt werden, allerdings mit Auflagen.

Für ihn gilt, wenn der Beschluss des Landgerichtes rechtskräftig wird, eine so genannte „Führungsaufsicht“: Er muss sich einer Therapie unterziehen, alle vierzehn Tage bei einem Bewährungshelfer melden und Plätze, wo Kinder sind, meiden. Die Stadt Brandenburg will heute entscheiden, ob sie Widerspruch einlegt. Andernfalls kommt Uwe K. nächste Woche frei. Er hat sich freiwillig bereit erklärt, so lange in der Klinik zu bleiben, „bis die Frage seiner Unterkunft geklärt ist“.

In Berlin wollte sich der Senat zu dem Fall nicht äußern. Auch im Abgeordnetenhaus hieß es, weder Politik noch Verwaltung hätten eine Handhabe. Von den Sicherheitsbehörden war keine Auskunft zu bekommen, da eine „zeitnahe Verlegung“ Uwe K.s nicht bevorstehe. Bisher gebe es von seiten der Brandenburger Behörden keine solchen Informationen.

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