Gefährliches Virus : Masern an drei Schulen in Schöneberg

Sechs Kinder und eine Frau in Schöneberg sind an der extrem ansteckenden Virusinfektion erkrankt. Ein Kind liegt auf der Intensivstation. An drei Schulen in Schöneberg dürfen Ungeimpfte derzeit nicht zum Unterricht kommen.

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Bisher ungeimpfte Schüler der betroffenen Grundschulen in Schöneberg müssen sich nun impfen lassen, einen Immunitätsnachweis bringen oder dem Unterricht fernbleiben.
Bisher ungeimpfte Schüler der betroffenen Grundschulen in Schöneberg müssen sich nun impfen lassen, einen Immunitätsnachweis...Foto: dpa

Das Gesundheitsamt Tempelhof-Schöneberg reagierte sofort und kompromisslos: Als zu Beginn der vergangenen Woche erste Kinder an drei Grundschulen des Bezirks an Masern erkrankten, verlangte die Behörde von allen Mädchen und Jungen dieser Schulen einen Impf- oder Immunitätsnachweis. Wer nicht belegen kann, dass er gegen die extrem ansteckende, gefährliche Viruskrankheit geimpft ist oder bereits davon betroffen war und Antikörper gebildet hat, muss dem Unterricht bis zu 14 Tage lang fern- bleiben und sich erst impfen lassen. Insgesamt sind bei dem Masernausbruch sechs Schüler und eine erwachsene Frau erkrankt. Ein Kind liegt auf der Intensivstation, ist aber nicht in Lebensgefahr.

Betroffen sind die Finow-Grundschule, die Werbellinsee-Grundschule und die Scharmützelsee-Grundschule. Nach einer Inkubationszeit von bis zu zwei Wochen bekamen die erkrankten Schüler erst Fieber, Schnupfen, Husten und andere Symptome, die üblicherweise bei einer Grippe auftreten. Danach erschienen die typischen rosafarbenen Hautflecken. „Masern sind eine der absolut ansteckendsten Viruserkrankungen“, sagt der Amtsarzt und Hygieneexperte des Gesundheitsamtes von Tempelhof-Schöneberg, Andreas Dinter. Die Infektionsträger seien extrem robust. „Geht ein Infizierter beispielsweise durch ein Treppenhaus, so gefährden die von ihm in die Atemluft abgegebenen Viren noch Stunden später nachfolgende Personen.“

Deshalb hält sich der Bezirk jetzt streng an die Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes. Dieses geht bei den ungeimpften Schülern davon aus, dass sie extrem ansteckungsgefährdet sind oder sich bereits infiziert haben können. Selbst nach einer sofortigen Impfung wartet man bei ihnen zur Sicherheit die Inkubationszeit ab. Betroffen von dem vorübergehenden Schulverbot sind aber offenbar nur „relativ wenige Schüler.“ Die Mehrzahl ist ausreichend geimpft.

Bei der kombinierten Immunisierung gegen Masern, Mumps und Röteln reicht die erste Impfung im 11. bis 14. Lebensmonat nicht aus. Eine zweite muss vier Wochen bis acht Monate später erfolgen. Aber diese Nachimpfung wird nach Auskunft der Amtsärzte „immer wieder von Eltern vergessen, weil sie die Gefahr der Masern unterschätzen.“ In Tempelhof-Schöneberg waren 96 Prozent der zum Schulstart 2010/2011 untersuchten Erstklässler einmal geimpft, aber nur 92 Prozent zweimal. Berlinweit hatten 2010 nur 89,1 Prozent der Schulanfänger eine ausreichende Immunisierung.

Hinzu kommt, dass manche Eltern die Impfung ablehnen, weil sie ihren Kindern gesundheitlich schade. Dabei verweisen sie auf das deutlich abgeschwächte, aber noch lebendige Virus, das mit dem Ziel der Immunisierung gegeben wird. Dieses löst die sogenannten „Impfmasern“ aus, die aber laut Amtsarzt Dinter im Vergleich zu den Gefahren der Masern „kein ernst zu nehmendes Risiko darstellen.“

Wie bedrohlich hingegen die Masern sein können, zeigt deren Ausbruch an der Waldorfschule Zehlendorf im April 2010. Ein ungeimpfter Schüler hatte sich auf einer Reise mit dem Virus infiziert. Zurück im Unterricht, breitete sich die Krankheit durch ihn auf rund 60 Menschen aus.

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