Berlin : Gefahr auf dem Schulweg

Die Unfallkasse warnt: In Berlin passieren sechzehn Unfälle pro Tag

Tanja Buntrock

Neues Schuljahr, neue Schulwege – und Gefahren. Nicht nur die Polizei, auch die Unfallkasse Berlin warnt vor dem Risiko von Unfällen auf dem Weg zur Schule: Im vergangenen Jahr hatten rund 3100 Kinder einen Unfall auf dem Schulweg. Demnach passierten pro Schultag 16 Unfälle, während Kinder auf dem Weg zur Schule oder zurück waren. Dazu gehören auch Unfälle nach Rangeleien unter Schülern oder wenn sich ein Kind einen Zahn ausschlägt, weil es gestolpert ist.

Besonders gefährdet sind Grundschüler. Sie können Entfernungen schlechter einschätzen als Erwachsene. „Eltern sollten deshalb einen neuen Schulweg mit ihren Kindern zusammen abgehen. Mit dem Rad fahren Kinder am besten nur in Begleitung Erwachsener“, sagt Wolfgang Atzler, Geschäftsführer der Unfallkasse. Sie ist die hiesige Trägerin der gesetzlichen Schülerunfallversicherung.

Doch egal, ob es nun zur Schule oder ins Schwimmbad geht: Über die Tendenz der Unfallzahlen von Kindern auf den Straßen gibt es widersprüchliche Angaben: Wie die Polizei bestätigt, ist die Zahl der Unfälle mit Kindern von 712 (erstes Halbjahr 2003) auf 538 (gleicher Zeitraum 2004) zurückgegangen. Allerdings tauchen in der Statistik nur Kinder auf, die „aktiv“ am Verkehr teilgenommen haben: als Fußgänger oder Radfahrer. Mitfahrende Kinder in Autos oder Bussen sind hier nicht erfasst. Das Statistische Landesamtes dagegen zählt auch Kinder im Auto mit. Nach dieser Berechnung ist die Zahl der Unfälle von 2003 im Vergleich zum Vorjahr sogar leicht gestiegen.

An den genannten 538 Verkehrsunfällen im ersten Halbjahr 2004 waren 551 Kinder beteiligt. Ein Junge, der auf dem Rad von einem rechts abbiegenden Lkw erfasst wurde, kam dabei ums Leben. 72 Kinder wurden schwer und 365 leicht verletzt. Rad fahrende Schüler sind nach den Zahlen noch etwas stärker gefährdet als Kinder, die den Schulweg zu Fuß zurücklegen. „Ein Kind war dabei, das unerlaubt ein Moped fuhr“, sagt Kristina Bergmann, Verkehrsexpertin bei der Polizei.

Auch der Aufenthalt auf dem Schulgelände und im Gebäude birgt Gefahren: An Berlins Schulen hatte 2003 jeder sechste Schüler einen Unfall. Meist kamen die Kinder mit Prellungen davon, zehn Prozent waren Knochenbrüche. Die meisten Unfälle passierten an den Hauptschulen. Von 15168 Hauptschülern hatten 2003 sich laut Unfallkasse 2920 an ihren Schulen verletzt. „Wir zählen rund 100 Unfälle mehr als im Vorjahr“, sagt Heidelore Geitner. Eine Ursache für die hier höheren Zahlen sei auch das „Schulklima“. Die Schüler seien oftmals impulsiver und suchten nach „Erfolgserlebnissen“ außerhalb des Unterrichts. Das können Schlägereien ebenso sein wie waghalsige Kletteraktionen.

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