Berlin : Gefahr aus dem Lippenstift

Strenge Kontrollen bei der „Krieg der Welten“-Premiere sollten Raubkopierer abschrecken

Andreas Conrad

Man kennt das ja von 007: An sich ist er ja kein Brillenträger, also Achtung, wenn er mit Augengläsern auftritt. In der Sehhilfe steckt garantiert eine Minikamera. Die Technik der Spione muss sich auch unter Raubkopierern durchgesetzt haben. Anders ist es nicht zu erklären, dass bei der Pressevorführung von „Krieg der Welten“ gestern im Cinestar am Potsdamer Platz sogar Brillen teilweise kontrolliert wurden, ob sich wohl unzulässige Technik darin verberge. Auch Lippenstifte und Kugelschreiber wurden aufgeschraubt, Etuis für Visitenkarten aufgeklappt und hinter metallenen Gürtelschnallen gefingert, immerhin korrekt nach vorheriger Bitte, ob dies gestattet sei. Und obendrein hatten sich die Journalisten schriftlich zu verpflichten, dass vor dem 29. Juni, dem weltweiten Start des Spielberg-Films, keine Rezension oder Ähnliches veröffentlicht werden darf.

Ein Besucher erregte unter diesenUmständen besondere Heiterkeit, weil er aus seinen Taschen auch Dübel und Schrauben hervorkramte, auf die Metalldetektoren sehr allergisch reagieren. Er wolle später noch in den Baumarkt, erläuterte der Heimwerker seinen Tascheninhalt, mit dem er für den Film, betrachtet man es nur recht, bestens ausgestattet war. Wenn fiese Aliens sich aufmachen, die Erde zu unterjochen, geht bekanntlich allerlei kaputt, so viel wird man über den Film ja wohl verraten dürfen. Dübel und Schrauben kann man hinterher gar nicht genug haben.

Viel Zeit blieb nach dem Film nicht, um sich von dem Kleinholz auf der Leinwand zu erholen. Um 15 Uhr war zur Pressekonferenz im Ballsaal des Adlon gebeten, mit Hauptdarsteller Tom Cruise, der nach „Minority Report“ nun zum zweiten Mal unter Spielbergs Regie drehte. „Hier geht es um böse E.T.s“, wird der Schauspieler im Presseheft zitiert, ein Werbe- und Informationsorgan der Verleihfirmen, das in der Regel schon einen guten Eindruck von der Linie bietet, wie sich ein Schauspieler auf einer Pressekonferenz zu seiner Arbeit äußern wird – und so war es dann auch. „Was bedeutet es, Vater zu sein? Wie weit gehen Eltern, um ihre Kinder zu schützen? Kennt man diese überhaupt?“ – so beschrieb Cruise das über die Aliens hinausgehende Thema des Film, den er seinen Kindern gewidmet hat.

Am Abend sollte man sich auf dem roten Teppich wiedersehen, vor dem Musicaltheater am Marlene-Dietrich-Platz. Nach dem letzten „Star Wars“-Film ist das dort nun schon die zweite Premiere binnem kurzem.

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