Berlin : Gefecht am Büfett

Das Finale um den Internationalen Steglitzer Pokal ist ein ganz besonderes Sportereignis: Fechten als Gala im Hotel

Nina Sarrazin

Claudia Bokel ist hochkonzentriert. Wachsam verfolgt die Degenfechterin jede Bewegung ihrer Gegnerin. Jede Attacke führt sie mit besonderer Vorsicht aus. Ihre Sorge gilt natürlich zu allererst ihrer Gegnerin und deren Waffe. Schließlich ist Fechten ein kämpferischer Sport, und da sind auch die Damen nicht zimperlich. Allerdings möchte Claudia Bokel auch nicht dem Bezirksbürgermeister zu nahe rücken. Herbert Weber, der Steglitz-Zehlendorf vertritt, und die übrigen Zuschauer trennen gerade einmal eineinhalb Meter vom Kampfgeschehen.

Der Internationale Steglitzer Pokal im Herrenflorett und Damendegen, den der Steglitzer Fechtclub jährlich ausrichtet, ist ein ungewöhnliches Turnier. Das Finale tragen die besten vier Herren und zwei Damen in einem Ballsaal im Hotel Steglitz International aus. Durchtrainierte Sportler mit dunklen Schutzmasken fechten mit blitzender Klinge vor Fechtfreunden, Lokalpolitikern und Sportfunktionären in Abendkleid und gutem Anzug. Bei besonders heftigen Attacken oder riskanten Ausweichmanövern drohen die Duellanten mehr als einmal von der Planche in die erste Zuschauerreihe zu stürzen. In den Pausen wechselt schon mal ein Fechter vor aller Augen das durchgeschwitzte Unterhemd. Doch gerade dieser Kontrast macht die Atmosphäre des Wettkampfes aus, der die Sportler jedes Jahr wieder aus ganz Europa nach Berlin zieht. Wenn die Gefechte beendet sind, trifft man sich am Büfett, erholt sich bei Krustenbraten und Roter Grütze von den Strapazen des Turniers und lässt den Abend mit Diskomusik ausklingen.

In den Vorrunden trat beinahe die gesamte europäische Fechtelite zunächst zu den Wettkämpfen in der Sochos-Sporthalle in Steglitz an. Unter den 100 Teilnehmern waren etliche Europa- und Weltmeister, Olympiasieger und Medaillenträger. Neben der 29-jährigen Claudia Bokel, der Weltmeisterin des vergangenen Jahres im Damendegen, gehörte der 40-jährige Piotr Kielpikowski zu den Favoriten, Dritter bei der Weltmeisterschaft 2002, der 1993 den Steglitzer Pokal bereits gewinnen konnte. Dass die Fechter zum Teil sogar auf eigene Kosten nach Berlin reisten, liegt auch an den Preisgeldern, die im Fechtsport nur sehr selten vergeben werden: 1000 Euro winken dem Sieger im Herrenflorett, 500 Euro der Gewinnerin im Damendegen.

Im rein deutschen Finale lieferten sich Tobias Frank und Lars Schache ein packendes Gefecht, das Schache am Ende mit 15:6 für sich entschied. Claudia Bokel hat es am Ende auch geschafft. Sie gewann 14:8 gegen Magdalena Kumiet aus Warschau.

0 Kommentare

Neuester Kommentar