Berlin : Gefragter Lehrer verlässt Berlin

In Hamburg verdient er 800 Euro netto mehr

Susanne Vieth-Entus

Alles Verhandeln hat nichts geholfen: Die angesehene Marienfelder Gustav-Heinemann-Gesamtschule verliert nun doch die Hauptstütze ihres bilingualen Zuges. Geschichts- und Englischlehrer Ingo-Till Krause geht jetzt nach Hamburg, weil er dort nach eigenen Angaben 800 Euro netto mehr verdient. Gestern forderte an der Heinemann-Schule eine „Elterninitiative für die Förderung leistungsstarker Schüler“ von der Bildungsverwaltung, die Stelle schnell und unbefristet zu besetzen.

Krauses drohender Weggang war im Oktober bekannt geworden, weil Eltern ihm 500 Euro pro Monat zu seinem regulären Gehalt hinzuzahlen wollten, bis der Senat ihm ein attraktiveres Angebot macht. Die Rechnung ging nicht auf – trotz des „persönlichen Einsatzes“ von Abteilungsleiter Ludger Pieper, den die Eltern ausdrücklich würdigten. Laut Schulleiter Klaus Pentzliehn gibt es zurzeit nur eine vage Chance, die Stelle für ein halbes Jahr zu besetzen.

Hintergrund der Auseinandersetzung ist die Tatsache, dass Berlin Lehrer nicht mehr verbeamtet. Nach Angaben der Senatsverwaltung für Inneres verdient ein 40-jähriger verheirateter Lehrer in der Gehaltsklasse A 13 3650 Euro brutto und etwa 2800 Euro netto. Die GEW nennt dazu die entsprechenden Vergleichszahlen für einen angestellten Lehrer: Er bekäme 3670 Euro brutto, aber nur 2200 Euro netto, weil er Arbeitslosen- und Rentenversicherung zahlen muss. Der Unterschied zu einem verbeamteten Lehrer in Hamburg ist noch größer, weil dort das Gehaltsniveau generell höher ist als in Berlin.

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