Berlin : Gegen die Wand

Die Steglitzer Bankräuber, die im Januar einen spektakulären Coup landeten, haben Nachahmer – allerdings höchst ungeschickte.

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Original. Der Steglitzer Tunnel, entdeckt im Januar, war ausgeklügelt gegraben. Die Täter entkamen unerkannt – und reich. Fotos: dpa
Original. Der Steglitzer Tunnel, entdeckt im Januar, war ausgeklügelt gegraben. Die Täter entkamen unerkannt – und reich. Fotos:...Foto: picture alliance / dpa

Der Millionencoup des Steglitzer Tunneleinbruchs vom vergangenen Januar hat offensichtlich Kriminelle auf den Geschmack gebracht. In Wedding versuchten Unbekannte mit einer professionellen Bohrmaschine in den Schließfachraum der Deutschen Bank zu gelangen. Doch um 21.30 Uhr am Sonntagabend lösten sie die Alarmanlage der Bank aus – nämlich in dem Moment, in dem der Bohrkopf die etwa 60 Zentimeter starke Wand zum Tresorraum durchbrochen hatte. Den Tätern gelang die Flucht, obwohl die Polizei in wenigen Minuten am Tatort war. Die betroffene Filiale liegt direkt am U-Bahnhof Pankstraße in der Prinzenallee.

Installiert hatten die Täter das Bohrgerät in einem Mieterkeller, den sie aufgebrochen hatten. Nach Angaben von Michael Adamski, der die Ermittlungen am Montag leitete, war das verwendete Gerät baugleich mit dem, das beim Einbruch in die Volksbank im Januar verwendet worden war. Doch dieselben Täter dürften es nach seiner Einschätzung nicht gewesen sein. Denn in Wedding wären die Täter nicht an die Schließfächer herangekommen, weil direkt vor den Fächern stabile Tresortüren aus Stahl sind. Diese Türen stehen tagsüber für Kunden offen. Denkbar ist also, dass die Täter dies schlichtweg beim vorherigen Auskundschaften nicht bemerkt hatten – wobei nicht einmal klar ist, ob sie sich die Räume vorher vom Personal haben zeigen lassen. Und während beim Steglitzer Coup die Täter auch nach einem 45 Meter langen Tunnel noch exakt den Schließfachraum getroffen hatten, sind im Weddinger Fall die Täter nicht einmal durch die Wand gekommen. Sie hatten nicht eingeplant, dass die Wand im Bereich ihres Loches durch einen Vorsprung deutlich dicker war. „Sie wären nicht zu den Schließfächern gekommen“, ist sich Adamski sicher. Zudem haben die Täter viel mehr riskiert. Die Maschine macht nach Polizeiangaben großen Lärm – und über der Bank gibt es Wohnungen. In Steglitz gab es keine direkten Anwohner.

Zeugen haben ausgesagt, dass die Fremden vor etwa einer Woche erstmals in dem Keller waren. Wieso sie mit dem Bohren bis zum Sonntagabend warteten, ist unklar. Aus Steglitz wissen die Ermittler, dass das Durchbohren einer solchen Wand etwa 45 Minuten dauert.

Unklar blieb, wieso den Tätern die Flucht gelang, da der Alarm nach Angaben Adamskis ein „stiller“ war, der beim Wachschutz der Bank einlief. Vermutlich haben die Täter bemerkt, dass Polizisten und Wachschützer den Schließfachraum von vorne betreten haben. Nicht ausgeschlossen ist jedoch, dass die Männer durch ein Martinshorn gewarnt wurden. Noch in der Nacht wurden die Mieter des Hauses befragt, auch ein Spürhund kam zum Einsatz. Kurze Zeit später wurden am Tatort zwei verdächtige Männer festgenommen, doch es handelte sich um polizeibekannte Stadtstreicher, die nach Einschätzung der Ermittler ganz sicher nichts mit der Tat zu tun haben.

Bei der Flucht mussten die Täter natürlich ihre Geräte zurücklassen. Da die Bohrmaschine eine Seriennummer hat, hofft das Fachkommissariat hier auf eine erste Spur. In Steglitz hatten die Täter keine Geräte mit Nummer zurückgelassen. Zudem sollen Fingerabdrücke und DNA-Spuren mit ähnlichen Taten verglichen werden, natürlich auch mit dem Steglitzer Einbruch. Hier hatten die Täter Millionenwerte erbeutet, eine heiße Spur gibt es weiterhin nicht. Auch nachdem der Fall kürzlich in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ vorgestellt wurde, haben sich keine entscheidenden Hinweise ergeben.

Dass die Sendung die Weddinger Täter erst animiert und angeleitet haben könnte, sei reine Spekulation, sagte ein Polizeisprecher. Welchem Mieter der Keller gehört, in dem die Bohrmaschine aufgebaut wurde, ist unklar. Zwar hat die Hausverwaltung der Polizei eine Liste gegeben, durch häufige Mieterwechsel sei die Belegung der Keller aber noch unklar. Auf dem Klingeltableau des Hauses stehen die Namen mehrerer polizeibekannter Familien.

Am Montag war die Filiale für das Publikum geschlossen – aus „technischen Gründen“, wie es auf dem Schild an der Tür hieß. Nur im Vorraum der Bank konnten Kunden Geld an den Automaten abheben. Der Filialleiter wollte sich nicht äußern. Der Pressesprecher der Deutschen Bank lehnte jede Auskunft ab. Die Volksbank war dagegen sehr offen mit dem Coup umgegangen.

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