Berlin : Gegen Israel und die USA

Im Oktober soll es in Berlin einen Islam-Kongress geben. Der Libanese Gabriel Daher bereitet ihn vor

Frank Jansen

Der Mann spricht mit sanfter, leicht brüchig klingender Stimme. Auch die ersten Sätze hören sich an, als werde pure Liebe propagiert. „Es ist längst überfällig, dass arabische Vereine eine Brücke schlagen zu den Menschen im Westen“, sagt Gabriel Daher. Er ist „Koordinator für Kommunikation“ des ominösen „Ersten Arabischen Islamischen Kongresses“, der Anfang Oktober in Berlin stattfinden soll und reichlich Aufregung provoziert. Im Gespräch mit dem Tagesspiegel gibt der Libanese gestern aber auch Antworten, in denen der Hass auf Israel und die USA nur mühsam gezügelt scheint. Zum Beispiel auf Fragen nach den Selbstmordanschlägen extremistischer Palästinenser.

Daher weicht zunächst aus und schimpft auf die israelische Palästina-Politik, „wenn ein ganzes Volk unter der Besetzung nicht mal atmen darf!“ Die Stimme klingt jetzt nicht ganz so mild. Dann folgt die Formel von der angeblich legitimen Notwehr, mit der Israel-Hasser jeder Couleur die Selbstmordattentate rechtfertigen. Daher verpackt sie in eine Forderung: Die Öffentlichkeit müsse Druck ausüben, „damit das Unrecht gegen Menschen aufhört, die zu verschiedenen Formen der Selbstverteidigung greifen“. So soll offenbar auch auf dem Kongress über die Anschläge geredet werden. Das Thema werde, sagt Daher, „bei einigen der Arbeitsgruppen behandelt“.

15 Arbeitsgruppen sollen sich am zweiten Tag des Kongresses treffen. Die AGs würden „verteilt auf die ganze Stadt“, sagt Daher. Am ersten Oktober würden die Gäste begrüßt und es gebe ein Büfett, am dritten Tag einen „Schlussbericht und eine Mitteilung an die Presse“. Die Konferenz werde an diesen beiden Tagen in einem Saal in Charlottenburg abgehalten, verkündet Daher. Wo genau, sagt er nicht, denn es gebe „Stellen, die versuchen, den ganzen Kongress zu stören“.

Es regt sich, wie berichtet, Protest gegen die mysteriöse Veranstaltung. Das Simon-Wiesenthal-Center fordert von Bundesinnenminister Otto Schily, den Kongress zu verbieten. Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann verlangt dies auch. Berlins Behörden beobachten noch, was sich da zusammenbraut. Oder auch nicht. Die Mobilisierung zum Kongress sei gering, heißt es in Sicherheitskreisen. Die Hintermänner werden eher panarabistischen als islamistischen Milieus zugerechnet. Außerdem erscheinen Figuren wie Daher obskur. Er ist Christ, glaubt aber auch an den Islam, lebt seit 26 Jahren in Berlin, hat an der TU Elektrotechnik studiert und will sich selbst Finanzberatung beigebracht haben. Als Extremistenführer fiel er bisher nicht auf. Eher schon der als „general coordinator“ des Kongresses präsentierte Libanese Fadi Madi. Er gilt als Israel-Feind. Unter dem Aufruf steht, in arabischer Sprache, auch Jamal Karsli. Der Ex-Grüne, den einst Jürgen Möllemann in die FDP-Fraktion des Düsseldorfer Landtags holen wollte, streitet aber jede Verbindung zum Kongress ab.

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