Berlin : Gegen Triefnasen: Bund bezahlt der Charité eine Allergie-Professur

JÖRN HASSELMANN

Die Birke hat ausgeblüht / In zwei Wochen kommen die GräserpollenVON JÖRN HASSELMANN BERLIN.Ostern ist vorbei und Berlins Allergiker können doppelt aufatmen.Die Blüte der Birke hat pünktlich zu den Feiertagen ihren Höhepunkt gehabt.Regnerisches Wetter zur Wochenmitte wird ein Übriges tun, um das Schniefen und Niesen auf Normalmaß zu drosseln.Eine zweite Oster-Neuigkeit wird ihre positive Wirkung dagegen erst langfristig entfalten: Das Bundesforschungsministerium finanziert für mindestens drei Jahre eine Allergie-Professur am Weddinger Virchow-Klinikum; zudem wird ein Asthma- und Allergiezentrum eingerichtet.Das teilte gestern die Charité mit.Das Berliner Uniklinikum hat sich damit bei einer bundesweiten Ausschreibung unter 17 Hochschulen durchgesetzt.Schon jetzt ist Berlin eine Hochburg der Allergie-Forschung. In Wedding wollen Forscher jetzt den Kampf gegen die Pollen aufnehmen - die 20 Prozent der Bevölkerung, die an ihnen leiden, werden es danken.Für mindestens drei Jahre wird das Bonner Ministerium einen "Förderschwerpunkt im Bereich Allergie- und Lungenforschung" finanzieren.Drei Millionen Mark stehen bereit, um die Professur und das dazugehörige Team zu finanzieren.Das seit Jahresanfang mit der Charité vereinte Virchow-Klinikum hatte sich mit einem bestehenden Projekt beworben - und mit drei anderen Städten unter 17 Konkurrenten den Zuschlag erhalten. Etwa eine Million Berliner verstehen etwas von Allergien: Sie leiden an einer.Das sind deutlich mehr als vor 20 Jahren.Die Ursachen dafür wollen die Weddinger Forscher finden.Die Gruppe aus Kinder-, Lungen- und Hautärzten unter Leitung von Professor Ulrich Wahn beschäftigt sich seit längerem damit, welche genetischen Faktoren oder Umwelteinflüsse schon im frühen Kindesalter Allergien auslösen.Die neue Stiftungsprofessur wird diese klinische Arbeit mit Grundlagenforschung verknüpfen.Vermutlich wird die Stelle von einem Molekularwissenschaftler besetzt.Die Stelle wird Berlin auf jeden Fall erhalten bleiben.Nach Ende der befristeten Förderung aus Bonn will die Charité die Professur fortführen, sagte Klinik-Sprecherin Barbara Nickolaus am Ostermontag dem Tagesspiegel.Bis die Stelle besetzt wird, könne schon die 99er-Birke blühen. Heute müssen Taschentücher noch einmal parat liegen, morgen jedoch ist der Angriff der Birke überstanden."Ostern war der absolute Höhepunkt", sagte Meteorologin Evelyn Müller vom privaten Wetterdienst Meteofax.Die üblichen Pollenkalender seien in diesem Jahr ohne jeden Wert; die Natur ist ihrer Zeit weit voraus.Selbst die kühle Luft und der viele Regen an den Feiertagen hätten die aggressive Birke kaum bremsen können.Die Meteorologen hätten "unglaublich viele Pollen gemessen" - am Vormittag des Sonnabends zum Beispiel 2430 pro Kubikmeter Luft in Steglitz.Das bringt Augen und Nasen von fast jedem vierten Berliner aus der Façon - sprich zum Triefen."Die Birke schlägt in ihrer Wirkung alle anderen Pflanzen", weiß Evelyn Müller - als Meteorologin und Allergikerin.Bis zum Monatsende ist Ruhe an der Schnupftuchfront.Erst im Mai starten die Gräser den nächsten Angriff. Informationen über die PollenbelastungMeteofax: 0190 270 643 (Diese Nummer kostet 1,20 Mark pro Minute).Allgemeine Infos beim Deutschen Allergie- und Asthmabund: 02161 10207 (werktags 9.30 bis 12.30 Uhr).

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