Berlin : Gegenwart genießen

Elisabeth Binder

Da sich nun alles einem verträglichen Ende nähert, wird es Zeit, sich zu erinnern, dass Auseinandersetzungen, die mit F anfangen und mit l dann bald auch schon wieder vorbei sind, im Grunde ganz angenehm sind. Es gibt in Berlin und Umgebung viele Orte, die an eine Vergangenheit erinnern, die heute gar nicht mehr nachvollziehbar erscheint, und es lohnt sich, die gelegentlich mal aufzusuchen, um die Vorzüge der Gegenwart richtig genießen zu können. Zum Cecilienhof fährt man am besten über die Glienicker Brücke, auf der einst die Spione ausgetauscht wurden, die den Eisernen Vorhang durchdringen konnten. Einmal angekommen an Deutschlands zuletzt erbautem Schloss, widersteht man für einen Moment der Versuchung, gleich in dem schönen Park spazieren zu gehen oder im Biergarten am Jungfernsee auf Anker zu gehen und wendet sich stattdessen dem Museum der Potsdamer Konferenz zu. Hier berieten im Sommer 1945 unter dem Codenamen „Terminal“ die Vertreter der Siegermächte Winston Churchill, Clement Attlee sowie Harry S. Truman und Josef Stalin über die Zukunft Deutschlands und Europas.

An dem runden Konferenztisch wurde über die polnische Westgrenze gestritten und über die Höhe der Reparationszahlungen. In diesen Räumen, in die eine sommerliche Idylle hereinscheint, erfuhr Stalin von der ersten einsatzfähigen Atombombe, über die die USA verfügten.

Der Begriff „Eiserner Vorhang“ war übrigens schon vorhanden, als die Konferenz begann, Churchill hatte ihn wenige Wochen zuvor in einem Telefongespräch mit dem amerikanischen Präsidenten erstmals benutzt.

Das Museum ist täglich außer montags von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Telefon (0331) 969 42 44

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