Gehaltsdiskussion : Verdiente Anfänger

Der Zuschlag weckt Begehrlichkeiten: Studierte Berufseinsteiger verdienen oft weniger, als der Berliner Senat jungen Lehrern jetzt zahlen will.

Sich unterbezahlt zu fühlen, mag fast jedem gelingen. Herauszufinden, ob man tatsächlich unterbezahlt ist, wird deutlich schwieriger: Während in der privaten Wirtschaft über verdientes Geld nicht viel geredet wird, sind die Gehaltsstrukturen im öffentlichen Dienst zwar nicht geheim, aber kompliziert.

Berlin bezahlt die nicht verbeamteten Landesdiener bisher nach dem Bundesangestelltentarifvertrag BAT. In den meisten anderen Ländern wird dagegen nach dem Ländertarif TVL gezahlt. In Berlin sind nach Auskunft der Finanzverwaltung bisher nur die Gehälter der angestellten Lehrer auf das TVL-System umgestellt worden – mit der Folge, dass die frisch von der Uni gekommenen Lehrer relativ schlecht verdienten. Deshalb wurden sie nun, wie berichtet, von etwa 2600 Euro auf bis zu 3900 Euro hochgestuft.

Laut BAT dagegen startet ein 33-jähriger verheirateter Hochschulabsolvent mit einem Kind bei 3400 Euro. Dieser Betrag gilt in Berlin für viele Verwaltungsmitarbeiter im höheren Dienst – vom bezirklichen Lebensmittelchemiker bis zum Bauingenieur in der Abteilung für Stadtentwicklung. Nach Auskunft der Gewerkschaft Verdi sind dagegen auch Einstiegsgehälter um 3000 Euro möglich, beispielsweise für wissenschaftliche Mitarbeiter von Unis. In Berlin, wo bis Ende des Jahres noch der Anwendungstarifvertrag mit der Regel „Weniger Arbeit für weniger Geld“ gilt, seien eher 2600 bis 2700 Euro realistisch. Wobei andere Annahmen etwa zu Alter und Familienstand die Rechnung beeinflussen können.

Bei den Medizinern gibt’s jedenfalls mehr Geld für mehr Arbeit. Nach Auskunft der Ärztekammer sieht der mit dem kommunalen Vivantes-Konzern geschlossene Tarifvertrag fürs erste Jahr 3845 Euro bei 42 Wochenstunden vor. Der Betrag gilt für „Ärzte in Weiterbildung“, also approbierte Mediziner, die sich nach dem Studium spezialisieren. Bei privaten Klinikbetreibern und in ländlichen Regionen wird nach Erfahrung der Ärztekammer etwas mehr gezahlt. Wer es bis zum Oberarzt schafft, startet laut Tarif mit 6358 Euro, kann aber je nach Fachrichtung auch deutlich mehr aushandeln.

„Das wird sehr individuell geregelt“, heißt es auch bei privaten Unternehmen wie Bayer-Schering. Auch ein Auslandssemester oder bereits gesammelte Berufserfahrung könnten sich auszahlen, weshalb man keine Zahlen nenne.

Konkreter wird die Landesbank, zu der auch die Sparkasse gehört: „Ein Trainee bekommt 39 000 bis 45 000 Euro im Jahr.“ Wobei fast 90 Prozent der Trainees nach 18 Monaten übernommen würden.

Wer Pharmazie studiert hat, startet laut der Apothekengewerkschaft Adexa mit 2900 Euro brutto, „häufig aber auch zehn bis 20 Prozent darüber“. Wobei „häufig“ heißt: in armen Regionen wie Berlin nicht unbedingt. obs

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