Berlin : Geheimauftrag: Roter Teppich

Die Deutschlandpremiere des neuen Bond-Films findet in Berlin statt. 007-Darsteller Daniel Craig ist dabei

Andreas Conrad

Otto war schneller. Sein erster Auftritt in „7 Zwerge – Der Wald ist nicht genug“, Kinostart am 26. Oktober, ist zugleich die erste James-Bond-Szene des aktuellen Kinojahres. Jedenfalls in der parodistischen Manier dieses märchenhaften Films: Eine Pappente schwimmt über einen See, Tarnung für den tauchenden Otto, der damit gewiss die ersten Lacher verbuchen kann, von jungen unwissenden Kinogängern, weil die das ulkig finden, und besonders von Kennern, die die filmhistorische Anspielung zum Kugeln finden: In Entenmaske tauchte Sean Connery in der ersten Szene von „Goldfinger“ auf, die gefiederte Eröffnung des 007-Films von 1964, den viele Anhänger des Agenten noch immer für den besten halten.

„Casino Royale“, der Bond-Film dieser Saison, kommt dagegen erst am 23. November in die deutschen Lichtspielhäuser. Sean Connery hat er leider nicht zu bieten, vermutlich auch keine Entenszene, gleichwohl hat der Agentenfilm der Märchenparodie eines voraus: Seine deutsche Premiere wird wenige Tage vor dem Kinostart in Berlin groß gefeiert, mit dem neuen Hauptdarsteller Daniel Craig und anderen Beteiligten, wie der zuständige, am Potsdamer Platz ansässige Verleih Sony Pictures auf Anfrage mitteilte. Vermutlich soll die Premiere auch dort, im Cinestar, über die Bühne gehen. Verraten wird aber nichts, Details sind noch geheim. Um den Vorgänger „Stirb an einem anderen Tag“, mit Pierce Brosnan und von der Twentieth Century Fox herausgebracht, zu toppen, muss sich der neue Verleih schon Besonderes einfallen lassen. Damals fand die Party in dem zum Eispalast umgestalteten Schauspielhaus statt. Bonds Dienstwagen, den damals aktuellen Aston Martin, hatte man auf dem Gendarmenmarkt geparkt.

Bei solchen Feiern ist meist auch der Regisseur anwesend, diesmal heißt er Martin Campbell, der sicher beantworten könnte, wem als Darsteller der Vorzug zu geben ist: dem geschassten Pierce Brosnan, in dessen erstem Bond-Film „Golden Eye“ er ebenfalls Regie führte, oder Daniel Craig, der schon während der Dreharbeiten viel Skepsis von Medien und Bond-Fans einstecken musste, ob er der Rolle wohl angemessen sei. Logisch wäre auch der Premierenbesuch von Veruschka von Lehndorff, ehemaliges Supermodel und 007-Nebenrollen-Darstellerin. Ihr Auftritt in Michelangelo Antonionis „Blow Up“ von 1966 ist noch in guter Erinnerung, sie selbst gerade Thema einer Ausstellung im Berliner Museum für Fotografie.

Ein Film mit dem Titel „Casino Royale“ gab es vor genau 40 Jahren schon einmal, Grundlage war auch damals Ian Flemings erster Bond-Roman von 1953. Der Film wurde allerdings nicht in der klassischen Reihe produziert, war ein Konkurrenzprodukt mit stark parodistischer Ausrichtung. Die noch relativ junge, doch schon ungemein erfolgreiche Filmfigur wurde in mehrere James Bonds aufgespalten, mit Peter Sellers, David Niven und sogar Woody Allen als Darstellern. Sogar Frank Sinatra hatte man verpflichten wollen, der aber nur abweisend reagierte: „Bist du verrückt? So bekannt, wie ich bin, in Sean Connerys Fußstapfen zu treten, würde mich lächerlich machen. Sean ist für die ganze Welt James Bond.“

Connery, der noch immer als der Ideal-Bond gilt, sah seine Rolle von dem Projekt überhaupt nicht bedroht, im Gegenteil: „Ich finde es sehr interessant, herauszufinden, wie andere mit dem Charakter umgehen. Viele Leute können Bond spielen, und es gibt keinen Grund, warum sie es nicht sollten.“

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