Berlin : Geheimnisse aus der Wüste

Moskau-Korrespondentin Elke Windisch las aus ihrem Buch über Zentralasien.

Daniela Martens
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Moskau-Korrespondentin Elke Windisch mit Redaktionsdirektor Gerd Appenzeller -

Derya Takkalis eindrucksvolle Schnurrbartenden sind steil nach oben gezwirbelt. Die Finger des deutsch-türkischen Musikers fliegen über die Saiten seiner Baglama, einer türkischen Langhalslaute. Er entlockt dem Instrument mal jubelnde, mal lamentierende Töne. Orientalisch und geheimnisvoll klingt die Melodie für mitteleuropäische Ohren.

Als er geendet hat, sagt er: „Nicht der, der liest, weiß viel, sondern der, der reist.“ Das sei ein altes türkisches Sprichwort. Auf Elke Windisch, Tagesspiegel-Korrespondentin in Moskau, trifft beides zu. Sie sitzt an diesem Abend neben Takkali im Löwenpalais im Grunewald und liest aus ihren politischen Reisereportagen aus Zentralasien, die gerade als Buch erschienen sind (Dagyeli Verlag, 303 Seiten, 18,80 Euro). Die Musik solle dabei helfen, „aus dem Berliner Alltag wegzutauchen, in die geheimnisvollen Länder der Wüsten“, sagt Gerd Appenzeller, Redaktionsdirektor des Tagesspiegels, der die Veranstaltung moderiert.

Es ist zum Beispiel die Welt des usbekischen pensionierten Lehrers Abdi, der am austrocknenden Aralsee lebt. In einer Schilfjurte träumt er sich „zurück in eine heile Welt. Auf dem Rücken der schnellfüßigen Kamelstute, die das Reich der Träume ihm entgegenschickt“, liest Elke Windisch. Es ist aber auch die Welt afghanischer Kriegsherren und Goldsticker aus Buchara, die nach dem Ende der Sowjetherschaft ihre in dieser Zeit verbotene Kunst mühsam wieder neu lernen mussten. Die Region und die Menschen hätten sie nie enttäuscht, sagt die Autorin im Gespräch mit Gerd Appenzeller. Sie hätten sie aber immer wieder an ihre physischen und psychischen Grenzen geführt.

Währenddessen steht ein Glas mit bernsteinfarbenem Tee aus dem Samowar vor der Autorin und dampft im Licht der Leselampe. Tee gibt es auch für die Gäste, außerdem serviert die Firma eßkultur in der Pause Köstlichkeiten aus Zentralasien: Plow zum Beispiel, ein traditionelles Fleisch-Reis-Gericht. Tagesspiegel-Leser Horst-Dieter Adam lässt es sich schmecken. Gerade ist er mit seiner Frau durch Usbekistan gereist. Mitgebracht hat er eine bunte, traditionelle Kappe, die er stolz an diesem Abend trägt – zu Ehren der „geheimnisvollen Länder der Wüsten“. Daniela Martens

Elke Windisch liest am 17. Oktober: Buchhandlung im Auswärtigen Amt, Werderscher Markt, Mitte, und am 18. Oktober: Europäische Akademie, Bismarckallee 46, 14193 Berlin; jeweils 19 Uhr.

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