Berlin : Geheimsache Tempelhof

Amerikanischer Interessent für Flughafennutzung war bisher nach Angaben des Senats noch bei keiner Berliner Behörde

Klaus Kurpjuweit

Er bleibt der große Unbekannte. Auch gestern war der amerikanische Manager Fred Langhammer, der den Flughafen Tempelhof angeblich zu neuem Leben erwecken will, nicht zu erreichen, um seine Pläne zu erläutern. Was genau er vorhat, konnte – oder wollte – auch gestern im Senat niemand sagen. Gespräche mit Berliner Behörden habe es bisher nicht gegeben, hieß es übereinstimmend.

Langhammer will, wie berichtet, in dem Flughafengebäude eine Klinik einrichten, in der vorwiegend ausländische Patienten behandelt werden sollen. Nach Berlin locken will er sie vor allem mit der weltweit wohl einmaligen Möglichkeit, vom Flugzeug aus fast direkt auf den Operationstisch gelangen zu können. Denn der Flugbetrieb soll weitergehen – zumindest mit der Geschäftsfliegerei.

Während Langhammer oder seine Vertreter nach Tagesspiegel-Informationen bereits im Kanzleramt und im Finanzministerium waren, ließen sie sich nach Angaben aus dem Senat bei den Berliner Behörden bisher nicht blicken. Deshalb zweifelt man hier auch daran, ob es wirklich die feste Absicht aus Amerika gibt, das Flughafengebäude zumindest teilweise nutzen zu wollen.

Selbst eine Erklärung des Bundesfinanzministeriums stößt nach wie vor auf Verwunderung beim Senat. Das Ministerium hatte am Dienstag mitgeteilt, dass die beiden Eigentümer des Flughafenareals, das Land Berlin und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, zusammen mit den „zuständigen Behörden“ in Berlin und Brandenburg prüften, ob eine „reduzierte fliegerische Weiternutzung“ von Tempelhof möglich sei. Von einer solchen Absprache war auf Nachfrage bei der zuständigen Stadtentwicklungsverwaltung gestern jedoch nichts bekannt. Und das Finanzministerium machte auf Nachfrage keine weiteren Angaben dazu.

Die Berliner Luftfahrtbehörde hat auf Antrag der Flughafengesellschaft angeordnet, dass der Flugbetrieb in Tempelhof am 31. Oktober 2007 endgültig eingestellt wird. Die Klagen dagegen von Linienfluggesellschaften und Geschäftsfliegern will das Oberverwaltungsgericht am 19. Dezember behandeln. Bisher sehen die Berliner Behörden keinen Anlass, den Schließungsbeschluss aufzuheben.

Dies könnten auch nur die Gesellschafter der Flughafengesellschaft beschließen – Berlin, Brandenburg und der Bund. Vom Bund ist dazu bisher aber auch keine Initiative bekannt. Tempelhof war am Montag Thema in dem mit viel Spannung erwarteten Gespräch zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Zum Inhalt ist bisher nichts bekannt geworden.

Der Verkehrsexperte der SPD, Christian Gaebler, sagte gestern, die Sicherheitsinteressen der Anwohner dürfe man sich nicht von einem Investor abkaufen lassen. Wer eine Klinik am Flughafen wolle, könne auch in Schönefeld bauen.

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