Berlin : Geht’s euch schon Berlin? Die Kampagne ist gestartet

Das meldet München – die heimliche Hauptstadt: Slogan sparsam, Motiv verwirrend, Aktion aber nicht aussichtslos

HeinrichGeiselberger

Geht’s München schon Berlin? In der bayerischen Hauptstadt werden derzeit 200 Plakate geklebt. Die ersten hingen zwar bis gestern nur im Vorort Trudering, doch der Bayerische Rundfunk hat’s gemerkt und macht sich bereits Sorgen – um Berlin. Wenn die Hauptstadt schon an ihrem Werbeslogan sparen müsse, dann sei es um den Haushalt ja noch schlimmer bestellt als angenommen. Was für ein Gefühl solle man sich bitte unter „Mir geht’s Berlin“ vorstellen? Und dann erst das Motiv, diese freischwebende Dame mit den Insignien der preußischen Metropole…

Zwei ältere Damen sitzen in der Münchner Maximilianstraße im Schatten und erholen sich vom Shopping. Wir halten ihnen das Motiv der Anzeige unter die Nase. Um es genauer anzusehen, müssen sie ihre mit Edelsteinen besetzten Brillen abnehmen. Sie erschrecken: „Mein Gott, die sieht ja aus wie halb dahingeschieden.“ Berlin ist für diese Damen kein schönes Gefühl. „Ich fühle mich München“ würde ganz andere Emotionen wecken: „Na schön halt, frei. Wo einem das Herz weit wird.“ Ein chinesischer Tourist befürchtet, dass die Kampagne für Berlin schädlich sein könnte. Auch er denkt, die Frau sei tot. Erst auf den zweiten Blick erkennt er, dass sie meditiert. Die Technik kommt ihm bekannt vor. Eine spezielle Form des Yoga.

Der Portier des Hotels Vier Jahreszeiten kann mit dem Motiv nichts anfangen. Mit Hotelbetten aber kennt er sich aus. Seine Gäste müssten nicht meditieren, da das Hotel komfortabel genug sei. Wenn sie das aber wünschten, wäre es natürlich möglich. „Allerdings nur, wenn sie andere Gäste nicht stören.“

Nur ein Polizist stellt sich unter Berlin etwas Angenehmes vor. Er patrouilliert vor der Staatskanzlei, dem Amtssitz des Ministerpräsidenten: „Also für mich hat das etwas Schwebendes, aber auch etwas Abgehobenes. Und so stell’ ich mir Berlin auch vor. Ich will unbedingt bald hin.“ Er trägt eine randlose Sonnenbrille, deren Gläser farblich auf die Uniform abgestimmt sind. Vom Sicherheitsempfinden her hat er bei „Berlin“ keine Bedenken: „Es kann nicht überall so schön und sauber sein wie bei uns. Ich bin mir aber sicher, dass Berlin auch sehr sicher ist.“

Aussichtslos ist die Kampagne in München also nicht. Da wäre es nahe liegend, dass die Stadt sich wehrt. Astrid Ganssen vom Fremdenverkehrsamt: „Wir nutzen andere Formen, um auf unsere Stadt aufmerksam zu machen, Messen oder Roadshows.“ Mit einer Ausnahme: Noch in diesem Jahr wollen die Münchner in der Pariser Metro mit Plakaten um Touristen werben. Das ist auch notwendig, denn die Franzosen kommen ja derzeit lieber nach Berlin. Heinrich

Geiselberger

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben