Berlin : Geiselnahme unter Drogen?

Täter war in der Psychiatrie, weil er seine Freundin getötet hatte

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Er hat am Dienstagabend in Wedding ein Auto gekapert und die Fahrerin als Geisel genommen. Und warum? Dazu schwieg der 24jährige Dennis M. gestern. „Wir haben ihn verhört, er hat dazu keine Aussage gemacht. Jetzt wird der Täter dem Bereitschaftsgericht vorgeführt, das dann einen Haftbefehl erlassen kann“, sagte gestern der Leiter der Mordkommissionen, André Rauhut, dem Tagesspiegel. Wie berichtet, hatte die Polizei die Geiselnahme am Dienstagabend kurz nach 20 Uhr an der Stadtautobahn vor der Buschkrugallee in Neukölln unblutig beendet.

Bei den Ermittlungen stellte sich nun heraus, dass Dennis M., der aus Ulm stammt, schon vorher kriminell war: 1997 hatte er seine damalige Lebensgefährtin getötet. „Wegen Schuldunfähigkeit wurde er nicht verurteilt, sondern kam in eine Psychiatrie“, bestätigte André Rauhut. Der Grund: Drogenabhängigkeit. Seit etwa eineinhalb Jahren ist Dennis M., der nun in Dresden wohnt, wieder frei. Nach Berlin sei er am 17. Juni gekommen. „Er wollte bei Synanon, einem Drogenhilfeprojekt, einen Entzug machen.“ Doch schon nach einem Tag habe er das Ganze wieder abgebrochen und sich seither in Berlin auf der Straße herumgetrieben.

Nach den ersten Vernehmungen ist jetzt der genaue Ablauf der Geiselnahme bekannt: Gegen 19.45 Uhr bemerkt eine Autofahrerin, die an der Kreuzung Sylter-/Ecke Seestraße steht, rechtzeitig, wie der bewaffnete Dennis M. auf ihr Auto zu rennt. „Geistesgegenwärtig schaffte es die Fahrerin, die Türverriegelung hinunter zu drücken“, sagte Rauhut. Dennis M. springt zum nächsten Wagen, einem roten VW Polo, in dem Carola E., 38, und ihre Tochter Alice E., 18, sitzen. Er reißt die Tür auf, droht mit seiner Waffe, zerrt Alice E. vom Beifahrersitz und steigt ein. Dann zwingt er die Mutter loszufahren – auf die Stadtautobahn.

Ein Zeuge verfolgt die beiden und gibt der Polizei über sein Mobiltelefon durch, wo sich der Wagen jeweils befindet. Kurz vor der Ausfahrt Buschkrugallee stoppt die Polizei den Wagen. Die Beamten versuchen mit Dennis M. zu verhandeln – erfolglos. Dann tauscht der Täter mit der Geisel die Plätze. Als er versucht, loszufahren, schießt ein Polizist auf den Reifen. Dennis M. versucht mit seiner Geisel im Schwitzkasten zu Fuß zu entkommen. „Er hat nach einem Auto gesucht, dass er zum Weiterfahren nehmen kann.“ Doch die Beamten, mindestens 30 sind mittlerweile am Einsatzort, sind schneller: Sie versprühen Pfeffergas und überwältigen Dennis M. Die Geisel bleibt bis auf eine Augenreizung unverletzt. tabu

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