Berlin : Geister, die keiner rief

Gewerkschaften bestreiten Zusammenarbeit mit Linksbündnis

Sandra Dassler

Die SPD reagierte demonstrativ gelassen. Die angebliche Gründung eines linken Wahlbündnisses, das 2006 ins Berliner Abgeordnetenhaus einziehen will, sei kein Anlass zur „Beunruhigung“, hieß es am Freitagabend nach mehrstündiger Beratung in einer Stellungnahme des Landesvorstands. Überrascht zeigten sich Vertreter von Gewerkschaften, die nach Zeitungsberichten dem neuen Linksbündnis angehören oder ihm logistische Unterstützung gewähren sollen. „Wir gehören diesem Linksbündnis nicht an“, sagt GdP-Geschäftsführer Klaus Eisenreich. Auch Vertreter von Verdi und anderen Gewerkschaften dementieren, das Bündnis zu unterstützen, obwohl viele ihrer Mitglieder mit ihm sympathisieren würden.

Peter Grottian, Initiator der „Initiative Berliner Bankenskandal“ (IBB) betont, dass weder er selbst noch die IBB einem Bündnis beitreten würden, das ins Abgeordnetenhaus will: „Wir sind außerparlamentarisch“. Der Politologe findet es „interessant, wie die Herrschenden reagieren. Die wissen um ihre Glaubwürdigkeitsprobleme.“ Grottian schätzt, dass ein Bündnis links von SPD und PDS bei der Wahl 2006 acht Prozent erreichen könnte.

Michael Prütz hört das mit Freuden. Der Versicherungsmakler aus Kreuzberg ist der Sprecher des Wahlbündnisses in Gründung. Vor zwei Jahren hat er die PDS aus Protest verlassen: „Wir wollen das Ende der Sparpolitik“, umreißt er das Ziel. Den PDS-Landesvorsitzenden Stefan Liebich erinnert dies an das „Wolkenkuckucksheim, in dem die PDS bis 1995 gelebt“ hat. „Jede Alternative ist uns willkommen“, sagt Liebich: „Diese Leute müssen den Wählern nur sagen, wie sie ihre Versprechen finanzieren wollen.“ Michael Prütz will sich dazu noch nicht äußern. Er kündigt an, man werde keine Partei gründen, sondern als Personenbündnis antreten – „mit Menschen, die glaubwürdig sind“. Deren Namen soll die Öffentlichkeit aber erst Anfang April erfahren – nach den europaweiten Demonstrationen gegen Sozialabbau.

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