Berlin : Geizeswissenschaft

Studenten können jede Menge sparen – nicht nur bei Kulturangeboten. Nachfragen lohnt sich

Constance Frey

Studieren? Das ist das Schönste überhaupt, sagt Inga Nobis. Die 24-jährige Medizinstudentin an der Charité kommt gerade von einem Auslandssemester in Barcelona zurück. Letzte Woche hatte sie Lust auf Kultur – vierte Reihe, Aida in der Deutschen Oper – für 12 Euro statt etwa 70. Gerade versucht sie, einen Schwimmkurs für das Semester zu belegen: 12 Euro kostet der über die Hochschulsportzentrale der Humboldt-Universität. Das alles geht dank ihres Studentenausweises. Den bekommen in den folgenden Wochen wieder tausende von „Erstis“, von Erstimmatrikulierten an den Berliner Universitäten. Neben den ersten Schritten in den Fachbereichen werden sie – knapp 17000 waren es im letzten Wintersemester – auch lernen, was es für erhebliche finanzielle Vorteile hat, Student zu sein.

Ermäßigungen haben nicht immer etwas mit dem Studentenausweis zu tun. „Es gibt einen Auflösungsprozess“, sagt Karin Gavin-Kramer, Studienberaterin an der Freien Universität. „Viele Ermäßigungen gelten nicht mehr speziell für Studenten, sondern richten sich nach Bedürftigkeit oder Alter“. Was für den einzelnen Kommilitonen nicht schlecht sein muss. „Wer jung und bedürftig ist, bekommt unter Umständen mehr“, sagt die Beraterin. Sie rät den Studenten, immer genau hinzuschauen. „Manchmal ist der Eintrittspreis am Kinotag zum Beispiel günstiger als die normale Studentenermäßigung.“ Auch bei den meisten Fluggesellschaften gelten die Ermäßigungen bis 24 Jahre oft für alle. „Danach müssen Studentenausweise vorgelegt werden“, sagt Julia Marquardt von der STA TravelAgentur in der Dahlemer Takustraße.

Im kulturellen Bereich gelten noch immer viele Ermäßigungen gegen Vorlage des Studentenausweises (siehe Kasten). Doch auch hier entwickeln sich altersgebundene Angebote. „Studenten sind uns wichtig, weil sie die zukünftige Zuhörergeneration stellen“, sagt Martin Redlinger, Sprecher des Konzerthauses Berlin. Dort wurde 1998 die Classiccard eingeführt. Mit der Rabattkarte für unter 28-Jährige gibt es ermäßigten Eintritt an den Abendkassen von sieben Berliner Häusern, etwa bei der Staatsoper unter den Linden und dem deutschen Symphonie-Orchester. Die Karte gilt für ein Jahr und kostet jetzt 15 statt zuvor 25 Euro, außerdem gibt es Sondervorführungen, die im Internet angekündigt werden. „In der Saison 2003/04 haben wir 1100 Karten verkauft. Diese Zahl würden wir gerne verdoppeln“, sagt Martin Redlinger.

Ein anderes studentisches Angebot droht derzeit zu verschwinden. Die Studenten von HU und FU haben in jeweiligen Abstimmungen bereits das neue Angebot der Berliner Verkehrsbetriebe für ein Semesterticket abgelehnt, weil es ihnen zu teuer war. Vom 8. bis 11. November findet die Urabstimmung an der TU statt. „Wir sind dafür, dass es langfristig ein Semesterticket gibt“, sagt Marius Pöthe, hochschulpolitischer Referent der TU, „aber nicht zu jedem Preis.“ Stimmen die Studenten auch hier gegen das Ticket, und werden an den beiden anderen Unis keine neuen Anträge eingereicht, gibt es zum Sommersemester an den großen Berliner Universitäten kein Semesterticket mehr.

Inga Nobis hätte das Semesterticket gerne noch ein wenig länger gehabt. Studienanfängern rät sie, immer nachzufragen, ob es besondere Ermäßigungen gibt, zum Beispiel im Fitnessstudio nebenan. Wer nicht sofort alle Schnäppchen holt, sollte sich keine Sorgen machen. Hauptsache, die Semesterausweise werden nicht eingeschweißt. Dann werden sie nämlich in den Augen der BVG jetzt schon ungültig.

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