Berlin : Geknickt

Cay Dobberke

Die Hauptstadt hat kein Glück mit Weihnachtsbaum-Geschenken aus Franken. Am Freitag zerbrach auf dem Ernst-Reuter-Platz die 36 Meter hohe Fichte, die als "Wiedergutmachung" für die peinliche Schlappe am Breitscheidplatz im vorigen Jahr gedacht war. Damals war ein Baum aus dem Frankenwald von den Schaustellern des Weihnachtsmarkts als so kümmerlich eingestuft worden, dass man ihn kurz nach der Aufstellung zersägte und stattdessen ein brandenburgisches Gewächs beschaffte.

Auf dem Ernst-Reuter-Platz wird es keinen Ersatz geben. "Das ist finanziell nicht vertretbar, und man findet auf die Schnelle auch keinen geeigneten Baum", sagte Gunter Bühler vom Marketingverein "Oberfranken Offensiv". Die Fichte war gegen drei Uhr morgens angeliefert worden und zerbrach in der Mitte, als eine Spezialfirma sie gegen sieben Uhr mit zwei Kränen aufrichten wollte. Eilends wurden Metallschienen beschafft und verankert, um den Baum zu flicken. Trotzdem brach der Stamm beim zweiten Aufstellversuch am frühen Nachmittag an derselben Stelle beziehungsweise am Rande der Metallklammern.

"Jetzt ist der Baum nicht mehr zu retten", urteilte ein Fachmann des Grünflächenamts Charlottenburg-Wilmersdorf. Offen ist nur noch, ob die Äste wie beim Vorgänger vom Breitscheidplatz an die Elefanten im Zoo verfüttert werden. Zur Ursache des Schadens gibt es nur Vermutungen. Dem Baum bescheinigten Beamte des Grünflächen- und des Bauamts "gute Qualität". Er sei auch nur "50 bis 60 Jahre" alt und nicht, wie von fränkischen Förstern berechnet, etwa 100 Jahre. In Frage komme eine "unsachgemäße Verladung": Die Fichte habe beim Lkw-Transport nur an zwei Stellen aufgelegen, und es habe Frost geherrscht. Der fränkische Marketingverein glaubt dagegen, dass in Berlin etwas falsch gemacht wurde.

Die Regierung in Oberfranken hatte das Geschenk schon im vorigen Jahr dem damaligen Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen angekündigt. Dieser begutachtete später Bäume in einem fränkischen Wald, war an der Auswahl letztlich aber nicht beteiligt. Ursprünglich sollte die neue Fichte wieder zum Breitscheidplatz geliefert werden. Doch dort nahmen die Schausteller zwischenzeitlich ein schwedisches Baumgeschenk an. Probleme gab es auch damit: Die erste gefällte Fichte war zu alt und morsch für den Transport. Erst ein weiterer Baum erwies sich als geeignet und steht jetzt vor der Gedächtniskirche.

Sorgen bereitet außerdem die "Kanzlertanne". Die sieben Meter hohe Nordmanntanne aus Murg im badischen Hotzenwald ist für den Eingang des Bundeskanzleramts gedacht. Aber bereits vor dem Transport sägten Reisigdiebe alle Äste auf einer Länge von rund einem Meter ab. Trotzdem soll der Baum am 30. November gefällt und vom 3. Dezember an das Kanzleramt zieren. "Für einen Christbaum reichen die Äste", meinte ein Förster.

Noch keine Probleme gibt es mit einer schwedischen Fichte für den Hardenbergplatz. Der 18-Meter-Baum soll am Sonntagabend aufgestellt werden.

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