Gelato-Festival in der Arena Berlin : In Alt-Treptow messen sich die besten Eismacher

Eis, Eis und nochmal Eis. Hunderte Eishersteller aus ganz Deutschland zeigen bei einem Festival in der "Arena Berlin" Lebensfreude zum Schlecken.

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Fotos: Thilo Rückeis
Kreative Kreationen. Der Fantasie der Eismacher sind nur wenige Grenzen gesetzt.Fotos: Thilo Rückeis

Der Titel, den Vetulio Bondi trägt, ist zum Übersetzen fast zu schade. Der quirlige Italiener mit der fetten schwarzen Brille ist „Presidente Associazione Gelatieri Artigiani Fiorentini“. Wenn er dies mit rollender Zunge vorträgt und über die Geheimnisse seiner Zunft plaudert, mag man ihn kaum banal als Präsidenten der Vereinigung der handwerklichen Eismacher von Florenz vorstellen. Das stimmt zwar sachlich, nimmt aber doch die südliche Grandezza, die das Thema zweifellos verlangt.

Bondi, der hauptberuflich eine Eisdiele in der Nähe des Florenzer Hauptbahnhofs führt, ist für vier Tage nach Berlin gekommen, um auf dem Freigelände der Treptower Arena sorgfältig darauf zu achten, dass das reisende „Gelato Festival“ die Regeln der Eismacherkunst genau befolgt. Gelato, sagt er, sei etwas ganz anderes als Eiscreme, schon, weil die italienischen Gelatieri nie Sahne benutzen würden, sondern Milch einsetzen, wenn sie nicht ohnehin ganz und gar auf diese Basis verzichten.

Foto: Thilo Rückeis
Entwicklungshelfer. Vetulio Bondi aus Florenz achtet als „Presidente Associazione Gelatieri Artigiani“ darauf, dass die Regeln der...Foto: Thilo Rückeis

Der Grundgedanke des Festivals: Eismacher aus Italien, England, Spanien und Deutschland, überwiegend, aber nicht zwingend gebürtige Italiener, entwickeln neue Sorten und stellen sich damit sowohl dem Urteil des Zufallspublikums als auch einer Fachjury. Die jeweils zwei Bestbewerteten der regionalen Festivals in Berlin, London, Valencia und mehreren italienischen Städten dürfen dann im September im Finale in Florenz antreten und um den Titel „Bester italienischer Eismacher“ kämpfen.

In Berlin sind alle deutschen Kandidaten vertreten, aus Berlin selbst und verschiedenen Ecken des Landes. Sara Tricoli zum Beispiel vom Eiscafé „Erste Sahne“ in Neukölln hat ein Eis auf Olivenölbasis mitgebracht, gewürzt mit Orangenblüten, Salzkaramell und knusprigen Mandeln. „Seduzione di Aphrodite“ heißt vielversprechend eine Sorte, die Gianni Toldo aus Kirn in der Pfalz mitgebracht hat. Sie basiert auf griechischem Joghurt – den auch Italiens Gelatieri schätzen – ergänzt durch Cranberries und knusprige Walnüsse.

Limetteneis mit kandierten Möhren

Karolina Stich, die „Eisqueen“ aus Rangsdorf, stellt der Jury ihr Limetteneis mit kandierten Möhren und süßem Möhrentopping vor. Die Leute von „Fantasia del Gelato“, mehrfach präsent im Berliner Raum, haben Ingwer, Zitrone und Preiselbeeren kombiniert, es gibt Schokoladeneis mit eingebautem Himbeersorbet und knusprig-nussige Mixturen aus Pistazien, Mandeln und Nüssen. Und wer sich nach schokoladiger Schwärze sehnt, der wird außer Konkurrenz vom Sponsor Pernigotti verwöhnt, der fünf Sorten zeigt und zeitgeistig auch die Herkunft der Kakaobohnen herausstellt.

Eis, das eint alle Macher der Welt, muss kalt sein, je südlicher, desto kälter. Vetulio Bondi legt dann aber doch Wert auf strenge Qualitätsmaßstäbe. Zähneknirschend gibt er zu, dass eine unselige Tradition existiert, im ahnungslosen Ausland neutrale Basismassen mit Aromen aufzumöbeln und als original italienisches Eis zu verhökern. Aber dafür gibt er sich nicht her, reist stattdessen als Botschafter des guten Gelato um die Welt, um sein Wissen weiterzugeben. Und Florenz? Dort hat vor 500 Jahren der Architekt und Ingenieur Bernardo Buontalenti die Eismaschine erfunden; er ist auch eine Art Schirmherr der Veranstaltung.

Fotos: Thilo Rückeis
In der Arena Berlin messen sich die besten Eismacher Deutschlands mit ihren Kreationen.Fotos: Thilo Rückeis

Der Aufbau auf der Freifläche der Arena – gleich neben Flussschwimmbad und „Hoppetosse“ – ist schlicht. Ein großer Sattelaufleger enthält die schwere Technik, die notwendig ist, damit alle Kandidaten ihr Eis produzieren und im gemeinsamen Wagen in der Geländemitte präsentieren können. Dazu gibt es eine kleine Bühne für Fachvorträge, einen Info-Stand und Sonderstände der Sponsoren.

Das Probieren ist einfach: Wer eine Eintrittskarte löst (13 Euro), erhält einen kleinen Gutschein für zehn Proben – er gilt für alle Sorten im Wettbewerb und die der Sponsoren. Das ist mehr als genug für normale Eisesser, aber Extremfans mit überdurchschnittlichem Fassungsvermögen können sicher auch über Nachschläge verhandeln oder gleich günstigere Mehrfachkarten lösen. Wer alles probiert hat, kann abstimmen – so viel Formalitäten verträgt auch die eiskalte Lebensfreude italienischer Art.

Arena. Eichenstr. Treptow, noch bis Sonntag, 12–24 Uhr

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