Berlin : Geld – oder Leben?

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VON TAG ZU TAG

Bernd Matthies versucht, die öffentliche Drohspirale zu stoppen

Früher waren derlei Drohungen das edelste Vorrecht des Straßenräubers: Geld oder Leben! Seit generell nirgends mehr Geld da ist, hat sich das geändert. Jetzt droht sogar schon die SBahn, sie wolle entweder Geld – oder nehme sich 2004 das Leben. Und das ist nicht mal besonders originell, denn kulturell prägende Persönlichkeiten wie Claus Peymann drohen ja praktisch einmal wöchentlich mit Rücktritt, wenn nicht die Kohle … Ja, man könnte sagen, dass die S-Bahn allmählich zum Peymann des öffentlichen Nahverkehrs wird, zum höchsten Tenor des Berliner Klageensembles. Und das nur, weil die Geld-oder-Leben-Masche anscheinend für Erfolg bürgt. Auch der Botanische Garten zum Beispiel ist auf diese wundersame Weise gerettet worden. Der Trick besteht allerdings darin, nie mit der Schließung von Institutionen zu drohen, deren Schließung dem Senat ins Konzept passen könnte – sonst wäre, zack, plötzlich eine Oper weg. Das öffentliche Drohen ist also ein gefährliches Spiel. Am besten wäre es wohl, ganz darauf zu verzichten. (Seite 15)

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