Berlin : Geld oder Schrippen

Bei der Sparkasse gibt’s Backwaren und Büstenhalter

Thomas Loy

Gleich neben dem grauen Bargeldautomaten in der Bankfiliale wird ein Pott Kaffee verkauft. Und auf dem Tchibo-Regal nebenan ist alles schicklich verpackt. Zwar kommen manchmal Damen, die den „Contour BH“ in rosa für 5,99 Euro aus der Schachtel pulen, um den Stoff zu befühlen, bevor sie ihn kaufen. Daran könnte der konservative Bankkunde Anstoß nehmen. Nimmt er aber nicht.

Die Sparkassenfiliale in der Greifswalder Straße hat sich dem Warenhandel geöffnet. Wo bis vor Wochen noch Kundenberater die Vorzüge von Bausparverträgen erläuterten, werden nun Splitterbrötchen und Nussecken verkauft. Die Filiale hatte mehr Platz als nötig, und in den Führungsebenen der Bank wälzt man seit langem Ideen, wie man dem Kunden „im Alltag noch mehr Zeit sparen kann“, sagt Michael Thanheiser, Leiter des Geschäftsbereichs Privatkunden. Die Bank macht damit nach, was Buchläden, Waschsalons, Kaufhäuser und die Post vorgemacht haben. Auch wenn es erst einmal nur ein „Modellversuch“ ist.

Die meisten Kunden finden es „angenehm“, vom Kontoauszugsdrucker nur ein paar Schritte zur „Kamps“-Theke zu gehen, um bei einem Espresso die Aus- und Eingänge zu überprüfen. „Es kommt vor, dass Leute Geld abheben und gleich danach wieder ausgeben“, hat Katrin Herrmann beobachtet, die am Tchibo-Regal auf Kunden wartet. Tipps zu Geldanlagen hat noch niemand von ihr haben wollen, obwohl gleich neben der Isolierkanne für acht Euro die Rangliste der besten Aktienfonds hängt. Wolfgang und Renate Hähne, langjährige Sparkassen-Kunden, finden das zusätzliche Backwaren- angebot gut. „Nur die Pfannkuchen sind zu teuer“, moniert der Mann.

Die Bankangestellten dürfen sich beim Bäcker zwar ein Pausenbrötchen holen, müssen sich damit aber in ihre eigenen „Sozialräume“ zurückziehen, damit die professionelle Distanz gewahrt bleibt.

Thanheiser von der Sparkasse denkt schon mal weiter, Vorschläge gebe es ja genug. Vielleicht ein Buchladen oder ein Internetcafe als Untermieter. „Da richten wir uns nach den Bedürfnissen der Kunden am jeweiligen Standort. Natürlich muss es auch zu uns als Marke passen.“ Ein Dessousladen passt wohl noch nicht zur Marke. Gut, dass es wenigstens Tchibo gibt.

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