Berlin : Geld zurück bei Streckensperrung

Bahn kommt Stammkunden auf der Hamburger Strecke entgegen – BVG und S-Bahn sind dagegen

Klaus Kurpjuweit

Für Bahnkunden, deren Fahrtzeit sich durch Bauarbeiten erheblich verlängert, gibt es jetzt zum ersten Mal Geld zurück. Wenn die Strecke Berlin – Hamburg vom 14. Juli bis 27. September zwischen Nauen und Wittenberge voll gesperrt wird, erhalten Stammkunden mit einer Jahreskarte, die diesen Abschnitt nicht mehr nutzen können, die anteiligen Kosten für die Sperrzeit zurück.

Während der Verkehrsexperte der CDU, Alexander Kaczmarek, der seit langem fordert, dass Fahrgäste bei Streckensperrungen einen finanziellen Ausgleich erhalten, darin einen „bescheidenen Fortschritt auf dem Weg in die richtige Richtung“ sieht, dämpft Bahnsprecher Burkhard Ahlert die Freude.

„Dieses Angebot ist einmalig“, sagte er, weil die Einschränkungen, die man den Fahrgästen zumuten müsse, außergewöhnlich groß seien. Die Umwege mit der Bahn oder die als Ersatz angebotenen Busfahrten verlängern die Fahrtzeit meist erheblich. In Berlin können baustellengeplagte Fahrgäste kein ähnliches Entgegenkommen erwarten. BVG und S-Bahn verweisen auf ihren Ersatzverkehr mit Bussen, wenn Gleise gesperrt werden. Zudem biete das dichte Netz vor allem in der Innenstadt meist zahlreiche Umfahrungsmöglichkeiten einer Baustelle. Dass es anders geht, zeigt London mit seinem noch umfangreicheren Schnellbahnnetz: Dort erhalten Fahrgäste einen Ausgleich, weil die Central Line nach einem Unfall monatelang dicht war.

Derzeit ist bei der U-Bahn in Berlin auf den Linien U 1/15 der Abschnitt zwischen Nollendorfplatz und Hallesches Tor bis zum 29. August unterbrochen. Die Fahrtzeit kann sich dadurch bis zu 15 Minuten verlängern. Bei der S-Bahn fahren keine Züge zwischen Zoo und Charlottenburg. Und es geht weiter: Im Herbst unterbricht die BVG die U 5 zwischen Alexanderplatz und Frankfurter Allee von Mitte September bis Mitte Dezember.

Auch in den kommenden Jahren wird es große Einschränkungen geben. Die BVG sperrt jeweils in den Sommerferien weitere Abschnitte der Hochbahn zwischen Hallesches Tor und Warschauer Straße. Der Viadukt wird vollständig erneuert. Auch eine Vollsperrung der U 2 zwischen Alexanderplatz und Potsdamer Platz ist demnächst vorgesehen.

Bei der S-Bahn wird bis zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 groß gebaut. Zeitweise gesperrt wird unter anderem der Abschnitt zwischen Westkreuz und Wannsee. Auch am Ostkreuz gibt es erhebliche Beeinträchtigungen, wenn dort die Arbeiten voraussichtlich nach dem Sommer 2004 beginnen.

Baustellen führen auch ohne Streckensperrungen zu Verspätungen. Die Pünktlichkeitsrate der Züge im Regionalverkehr ist dadurch von einst 92 Prozent auf 86 Prozent gefallen; im Fernverkehr sogar von etwa 88 Prozent auf 78 bis 80 Prozent. Wenn die Strecke nach Hamburg demnächst für die 76 Tage gesperrt wird, müssen auch die Fernzüge Umwege fahren. Und hier zeigt sich die Bahn erneut großzügig: „Der Umweg kostet keinen Aufpreis“, verkündet sie. Na bitte.

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