Berlin : Geldgeber gesucht: Statt Riesenflasche eine Liste der Spender am Turm?

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Statt der Abbildung einer Mineralwasserflasche könnten künftig die Namen vieler Berliner Spender und Sponsoren das Baugerüst am Turm der Marienkirche zieren. Dies war einer der Vorschläge, die auf der gestrigen Pressekonferenz zur Finanzierung notwendiger Sanierungsarbeiten von Beauftragten der Gemeinde, des Denkmalschutzes, des Bezirksamtes und der Marketingfirma Fubac diskutiert wurden. Vor allem der mehr als 500 Jahre alte Turm der Kirche muss renoviert werden. Doch der Senat hat dafür kein Geld.

Vorausgegangen war ein monatelanger Streit um die Nutzung des Kirchturms als Werbefläche. Die Kirche hatte der Fubac im Sommer den Auftrag erteilt, mittels der Werbung die nötigen Sanierungskosten von etwa drei Millionen Mark zu erwirtschaften. Ende Juni ließ das Bezirksamt die Fläche wieder von dem Gerüst entfernen. Der Grund für die Ablehnung der Werbefläche war damals der gleiche wie heute: "Das Denkmalschutzgesetz erlaubt keine Produktwerbung auf öffentlichen Denkmalen", so Baustadtrat Flierl. Die Fubac, die das Baugerüst für die Sanierungsarbeiten stellt, wollte damals am Leipziger Platz ein Großplakat aufhängen. Doch daraus wurde nichts. Der Bezirk Mitte hat inzwischen eine Alternative in der Nähe, an der Voßstraße, angeboten. Für Baustadtrat Flierl ist es unverständlich, weshalb die Firma dort bisher noch kein Plakat montiert hat.

"Nun wollen wir die Berliner in der vorweihnachtlichen Zeit um Spenden bitten, denn die Sicherheit des Kirchturms ist gefährdet, und es handelt sich um ein kostbares Baudenkmal", sagte der von der Gemeinde mit der Sanierungsfrage beauftragte Superintendent im Ruhestand, Joachim Koppehl. Die Marienkirche sei eine der ältesten und bedeutendsten Kirchen im Zentrum Berlins, betonte auch der Beauftragte des Landesdenkmalschutzes, Jörg Haspel. Gerade erst hätten neue Untersuchungen gezeigt, dass der Turm bereits um 1420 und nicht wie angenommen erst 1480 begonnen worden sei. Zuletzt hatte die Entdeckung eines mehr als 250 Jahre alten Marienbildes hinter der zur Renovierung demontierten Orgel Aufsehen erregt.

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