Berlin : Geldgeber hinters Licht geführt Falscher Erbe wegen Betrugsserie vor Gericht

Eine passende Geschichte hat Michael R. immer parat. Der 47-Jährige schnurrt sie nicht glatt runter. Er holt mal tief Luft, fährt sich mit der Hand durchs Stoppelhaar, wirkt zuweilen mitgenommen. „Ich bin immer davon ausgegangen, dass das Projekt Wohnpark läuft“, stöhnt er. „Ich bin zu gutgläubig darangegangen.“ Tatsächlich aber war es Michael R., der sich als Millionenerbe ausgegeben und gutgläubige Menschen ausgenommen hat.

Als er gestern vor den Richtern saß und sich für einen Schaden von insgesamt rund 450 000 Euro verantworten sollte, wollte er eigentlich ein Geständnis ablegen. Er räumte die Schuld auch ein, doch ein „Aber“ konnte er sich nicht verkneifen. „Aber ich habe doch auf die Baugenehmigung gewartet.“ Viel Geld habe er investiert, um seine Vision von einem Wohnpark zu verwirklichen. „Dann wurde die Genehmigung nicht erteilt. Das hat mir finanziell das Genick gebrochen.“ Er habe angefangen, Darlehen zu sammeln. „Mit dem Geld habe ich dann Löcher gestopft, Schulden gezahlt oder Internatskosten für meine Tochter beglichen“, räumte R. ein.

Die Betrugsserie begann laut Anklage im Jahr 1998. Vier Jahre lang soll es R. gelungen sein, immer neue Geldgeber mit seinen Geschichten zu ködern. Mehr als ein Dutzend Geprellte werden in der jetzigen Anklage aufgelistet – Nachbarn und Bekannte des Angeklagten oder Geschäftspartner, die mit Michael R. das ganz große Los ziehen wollten.

Meistens war er der angebliche Sohn eines gerade in den USA verstorbenen Millionärs und habe auf die Auszahlung des Geldes gewartet. Er tauchte in Banken mit Unterlagen über ein vermeintliches Erbe auf oder er wedelte mit einem Schriftstück, das ihn als vermögenden Grundstücksbesitzer erscheinen ließ. In anderen Fällen gab er sich als Darlehensgeber aus und kassierte Zinsen im Voraus. Eine andere Masche des Betrügers waren ungedeckte Schecks. Einen Handwerker trieb er so in den Ruin.

Michael R., ein Ingenieur aus Brandenburg, wirkt unbeholfen, wenn er über Feinheiten der Finanzwelt spricht. Das fiel möglicherweise auch einem Banker auf, der dem Angeklagten mehrfach private Darlehen gewährte. Der Gutverdienende kündigte sogar. „Er wollte für mich als Berater arbeiten“, sagte der Angeklagte. „Ich hatte ihm aber gesagt, das ich ihn nicht bezahlen kann.“ Da zuckte der Angeklagte nur leicht mit der Schulter. Er verbüßt seit 2003 eine Gefängnisstrafe – wegen Betruges. Den „Nachschlag“ gibt es voraussichtlich am Donnerstag. K.G.

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