Berlin : Geldnot am Potsdamer Platz: Die Volksbank-Zentrale zieht aus

Holger Wild

Das erste namhafte Unternehmen verlässt den Potsdamer Platz. Keine vier Jahre nach der Fertigstellung des Daimler-Benz-Areals wird die Berliner Volksbank ihr Gebäude verlassen. Ab April werden die Mitarbeiter der Zentralbereiche den violett gekachelte Block an der Linkstraße verlassen. Anschließend soll das 200 Millionen Euro teure Haus vermietet werden. Von 880 Stellen in der Zentrale sollen 310 gestrichen werden.

Die Volksbank-Angestellten sollen größtenteils ins Gebäude der mit ihr fusionierten Grundkreditbank an der Budapester Straße ziehen. Dort laufen derzeit Umbauarbeiten. Andere Arbeitsplätze würden in das Bürozentrum "TOP Tegel" verlagert, wo die Volksbank ein Gebäude gemietet habe, sagte die Sprecherin des Unternehmens, Gudrun Wilke. Sie begründete den Umzug, der mehrere Monate dauern werde, mit den hohen Unterhaltskosten des Gebäudes. Errichtet nach einem Entwurf des japanischen Architekten Arata Isozaki war dieses 1998 als eines des ersten am Potsdamer Platz bezogen worden. Einen Teil der Nutzfläche hat die Volksbank bereits an den Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken abgetreten. Die übrigen 25 000 Quadratmeter Nutzfläche sollen nun vermietet werden, sagte Wilke. Die Gespräche mit Interessenten liefen; genaueres wollte sie nicht sagen. Im Gebäude der Grundkreditbank gegenüber dem Elefantentor des Zoos ist bisher das gewerbliche Immobilien-Geschäft des Geldinstituts untergebracht.

Die 310 Stellen in den zentralen Stabsbereichen sollen ohne betriebsbedingte Kündigungen, sondern mittels der üblichen Fluktuation abgebaut werden, sagte Wilke. Eine Betriebsvereinbarung schließt betriebsbedingte Kündigungen mindestens bis Ende 2002 aus.

Noch im November hatte der Vorstandsvorsitzende der Bank, Karl Kauermann, noch angekündigt, die Mitarbeiterzahl um nur rund 230 zu verringern. Gegenwärtig arbeiten bei der Volksbank 3250 Menschen. Das operative Betriebsergebnis der Volksbank erreichte im Jahr 2001 nur rund 20 Millionen Euro. Eingangs des Jahres hatte Kauermann noch rund 50 Millionen Euro angepeilt. Kauermann hat seiner Bank daher ein kräftiges Sparprogramm verordnet, das im vergangenen Jahr rund 15 Millionen Euro erbrachte. Der Volksbanken-Bundesverband musste das Berliner Institut seit 1998 mit 1,2 Millionen Euro an Zuschüssen und Bürgschaften stützen. Kauermann erwartet, erst im Jahr 2004 von dieser Hilfe unabhängig zu werden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben