Berlin : Geldstrafe: Neonazi beleidigte Polizisten

Frank Jansen

Das Amtsgericht Ludwigslust hat gestern den Neonazi-Anführer Thomas Wulff (37) wegen Beleidigung eines Berliner Polizisten zu einer Geldstrafe von 1600 Mark verurteilt. Wulff hatte im Oktober 1999 am Rande einer rechtsextremen Demonstration in der mecklenburgischen Stadt den Beamten als "politisch motivierten Spitzel" bezeichnet. Der Polizist zählt zur Berliner Spezialeinheit "Politisch Motivierte Straßengewalt (PMS)"; die Diffamierung als "politisch motivierte Spitzel" ist eine szenetypische Beschimpfung.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Geldstrafe in Höhe von 2700 Mark gefordert. "Die Polizeibeamten stehen für uns alle in der ersten Reihe bei der Verteidigung des demokratischen Rechtsstaats", sagte der Ankläger. Für Thomas Wulff wird es nun eng: Möglicherweise muss er eine sechsmonatige Gefängnisstrafe antreten, die zur Bewährung ausgesetzt worden war. Die Bewährungsfrist läuft erst im Juli 2001 ab. Wulff war 1995 wegen Volksverhetzung, übler Nachrede und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener verurteilt worden.

Der Neonazi gilt vor allem in Norddeutschland als Führungsfigur der rechten Szene. Wulffs Spitzname lautet "Steiner", so hieß auch ein General der Waffen-SS. Bei dem Aufmarsch in Ludwigslust riefen Neonazis "Ruhm und Ehre der Waffen-SS". In Berlin trat Wulff zuletzt am 4. November 2000 in Erscheinung, als er mit Ex-NPD-Funktionär Steffen Hupka einen Aufmarsch durch Mitte anführte.

0 Kommentare

Neuester Kommentar