Berlin : Geldtransporter überfallen: Trio vor Gericht

Ein Bademeister träumte vom großen Coup – dann klickten die Handschellen

-

Der Erste ließ sich einst als Deutscher Boxmeister im Mittelgewicht feiern. Der Zweite machte als durchtrainierter Bademeister Eindruck. Und der Dritte hatte sich einen Ruf als vorbestrafter Bankräuber erworben. Nachdem sie sich zusammengetan hatten, sollen sie zwei Mal versucht haben, einen Geldtransporter der Firma Brinks auszurauben. Doch statt des ganz großen Wurfes klickten im März vorigen Jahres die Handschellen. Seit gestern muss sich das Trio vor dem Moabiter Kriminalgericht verantworten.

Mit ihren Aussagen hielten es die drei Angeklagten sehr unterschiedlich: Er werde zunächst nicht aussagen, erklärte der 36-jährige Ex-Profiboxer Andreas M. Der Bankräuber Aziz G. ließ seinen Anwalt eine Erklärung verlesen. Darin bestritt G., ein 40-jähriger Autohändler, jede Beteiligung an den Raubzügen. Ihm sei ein derartiges „Vorhaben“ zwar vorgeschlagen worden, ließ G. erklären. „Ich hatte mich aber noch nicht entschieden.“ Er hatte demnach noch seine Zweifel – an dem Plan ebenso wie an der personellen Besetzung.

Nur der Bademeister, der damals in Charlottenburg arbeitete, packte aus. „Andy und ich sind auf die Idee gekommen“, belastete er sich selbst und den Ex-Boxer. Sie seien beide verschuldet gewesen. „Es war aber abgesprochen, dass keine Personen zu Schaden kommen.“ Er und der Ex-Boxer hätten Ende 2005 mehrere Mercedes-Jeeps gestohlen, mit denen später die Geldtransporter eingekeilt und ausgeraubt werden sollten. Weil sie sich einen derartigen Überfall nicht allein zutrauten, sei G. ins Spiel gekommen. G. habe zwar erst von „Mumpitz“ gesprochen, dann aber doch zugesagt.

Zwei Mal soll es das Trio laut Anklage versucht haben – am 31. Januar vorigen Jahres und drei Wochen später. Die Männer sollen unter anderem mit einer Pumpgun und einer Panzerfaust-Attrappe bewaffnet gewesen sein. Bei dem ersten Überfall an einer Autobahnauffahrt in Adlershof keilten die Räuber einen Geldtransporter ein. Doch die Besatzung behielt die Nerven. Der Fahrer setzte zurück und rammte sich den Weg frei. Der zweite Coup in Schöneberg scheiterte, weil die Ermittler den mutmaßlichen Brinks-Räubern bereits auf den Fersen waren. Der Prozess geht heute weiter. K. G.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben