Berlin : Geliebt, gelobt, gefährdet

Das Plattenlabel Kitty-Yo hat Insolvenz angemeldet

Sebastian Leber

Zwölf Jahre lang galt die Berliner Plattenfirma Kitty-Yo als Vorzeigemodell. Immer, wenn die Musikbranche über ihre nächste schlimme Krise und sinkende Verkaufszahlen jammerte, wurden kleine kreative Firmen wie Kitty-Yo als positives Gegenbeispiel genannt – als Beleg dafür, dass man mit Ideen und Geschmackssicherheit auf dem umkämpften Markt bestehen kann. Jetzt hat es die Firma mit Sitz in der Greifswalder Straße selbst erwischt: Die Kitty-Yo Musicproductions GmbH, die den Tonträgervertrieb der Marke abdeckt, hat Insolvenz angemeldet. Der vom Amtsgericht Charlottenburg eingesetzte vorläufige Insolvenzverwalter prüft, ob ein Verfahren eröffnet wird und welche Sanierungsmöglichkeiten bestehen.

Labelchef Raik Hölzel ist optimistisch. Das Unternehmen, das in der Vergangenheit Künstler wie Maximilian Hecker und die kanadische Electro-Rockerin Peaches bekannt machte, will zum Jahreswechsel das Tonträgergeschäft einstellen, also keine CDs mehr im Handel verkaufen. Stattdessen wird Hölzel die Musik seiner Künstler künftig nur noch digital vertreiben – zunächst über große Online-Anbieter wie Musicload.de, später auch über einen eigenen digitalen Shop auf der Internetseite von Kitty-Yo. „Das ist die Vertriebsform der Zukunft“, sagt Hölzel, „direkt, schnell und preisgünstig“. In den letzten Jahren habe sein Label im klassischen CD-Handel einen Umsatzrückgang um 50 Prozent verzeichnet, dagegen sei der digitale Verkauf „seit Mitte letzten Jahres um mehrere 100 Prozent geradezu explodiert“. Raik Hölzel gibt zu, dass er vor dem jetzt geplanten Schritt lange gezögert habe: „Ich bin schließlich selbst mit Tonträgern aufgewachsen.“ Die Reaktionen im Umfeld der Firma seien aber bisher durchweg positiv. Auch die aktuellen Zugpferde von Kitty-Yo, die Bands Chikinki und Jahcoozi, hätten bereits angekündigt, dem Label treu zu bleiben.

Die neue Verkaufsstrategie will Hölzel auf jeden Fall umsetzen, unabhängig davon, ob das Insolvenzverfahren gegen die Kitty-Yo Musicproductions GmbH tatsächlich eröffnet wird oder nicht. Der Insolvenzverwalter rechnet mit einer Entscheidung bis Ende Januar. So ganz mag sich Hölzel von der CD aber nicht verabschieden. Wenn es genügend Nachfrage für eine Pressung gebe, werde er Ausnahmen machen. „Dann aber nur mit limitierter Stückzahl.“

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