Berlin : Gemeinden verlieren Küster und Sekretärinnen

Die katholische Kirche muss noch stärker sparen: 144 Stellen in Pfarreien und in der Seelsorge fallen weg

Claudia Keller

In der katholischen Kirche wird weiter gespart. Die neuen Sparpläne gehen an die Substanz des Bistums. Die Kirche St. Raphael in Gatow wurde vor wenigen Tagen an einen Lebensmittelmarkt verkauft, die Verkaufsverhandlungen für die Kirche Maria Himmelfahrt in Charlottenburg und die Herz-Jesu-Kapelle in Pankow sind nach Auskunft von Bistumssprecher Stefan Förner „auf gutem Weg“. Für Regina Mundi in Reinickendorf sucht man noch einen Käufer. St. Judas Thaddäus, ein früheres Wohnhaus in Frohnau, das als Kirche genutzt wurde, soll wieder als Wohnhaus verkauft werden.

Während die Verkäufe der Kirchengebäude bislang nur einzelne Gemeinden betreffen, sehen die Pläne für die zweite Sparrunde im Erzbistum, die jetzt konkret werden, nochmals weitreichende Einschnitte für alle vor. Vergangenes Wochenende hat der Pastoralrat dem „Plan 2009“ zugestimmt, der für die kommenden drei Jahren Kürzungen in Höhe von zehn Millionen Euro und die Streichung von 144 weiteren Stellen in den Gemeinden und in der Seelsorge vorsieht. Mit den Einsparungen soll eine inhaltliche Neuausrichtung der momentan 107 Gemeinden einhergehen: Nicht mehr jede Gemeinde soll alle seelsorgerischen Aufgaben anbieten, die Angebote sollen in Schwerpunktgemeinden gebündelt werden. Dazu müssen die Priester enger zusammenarbeiten, weitere Gemeinden fusioniert werden. Der Grund für die erneuten Sparmaßnahmen sind die mit der Steuerreform der Bundesregierung wegfallenden Kirchensteuereinnahmen. Die Unternehmensberatung McKinsey hatte vergessen, diese Ausfälle in den ersten Sanierungsplan einzurechnen. Auch die demographische Entwicklung und die hohe Zahl von Arbeitslosen lässt die Kirchensteuereinnahmen schrumpfen.

Der Pastoralrat ist das oberste Beratungsgremium des Erzbistums und besteht aus 28 Mitgliedern, darunter Kardinal Georg Sterzinsky, Generalvikar Ronald Rother, Vertreter der Laien, der Orden und der Gemeinden. Nach heftigen Diskussionen einigte sich der Rat außerdem darauf, dass die Pfarreien alle Küster und Pfarrsekretärinnen entlassen. Die Gemeinden sollen künftig nur noch einen geringen Betrag für die so genannten technischen Dienste erhalten. „Diese finanzielle Ausstattung erlaubt in der Regel keine Anstellungsverhältnisse mehr“, heißt es im „Plan 2009“. Stattdessen sollen die Küster- und Sekretärsdienste von Ehrenamtlichen übernommen werden.

Auch die Kranken in den Krankenhäusern und die Behinderten sollen künftig von Gemeindemitgliedern betreut werden, von 17 Stellen in der Krankenhausseelsorge bleiben noch vier, in der Behindertenseelsorge nur noch eine Stelle erhalten. Die Stellen für die Akademiker-, Künstler- und Polizeiseelsorge fallen ganz weg, ebenso 17 Priesterstellen.

In der nächsten Sitzung des Pastoralrats Mitte Juni soll der zweite Teil des neuen Sparplans diskutiert werden. Er wird dem Vernehmen nach Einschnitte bei den katholischen Schulen, den Kitas und den Kirchenmusikern beinhalten. Den Musikern droht eine ähnliche Situation wie den Küstern und Sekretärinnen: Sie sollen künftig nicht mehr angestellt werden, sondern auf Honorarbasis arbeiten. Generalvikar Rother will die Sparmaßnahmen noch vor der Sommerpause, spätestens aber bis zum Herbst beschlossen haben – damit man mit der Umsetzung im kommenden Jahr beginnen kann.

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