Berlin : Gemeinsam für die Gesellschaft

Bayer-Stiftung engagiert sich seit mehr als hundert Jahren. Sie fördert Freiwilligeninitiativen und motiviert Mitarbeiter zum Mittun.

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Ausgezeichnet. Das Team der Bayer-Stiftung im Elisabethstift. Foto: Davids/Darmer
Ausgezeichnet. Das Team der Bayer-Stiftung im Elisabethstift. Foto: Davids/DarmerFoto: DAVIDS

Man könnte meinen, der Mann hat ein Luxusproblem, aber so einfach ist es nicht. Thimo Schmitt-Lord ist Vorstand der Bayer-Stiftung und immer auf der Suche nach würdigen Empfängern für die Mittel, die er für ehrenamtliches Engagement zu verteilen hat. Die gute Absicht allein reicht ihm dabei nicht. „Wir wollen Engagement unternehmerisch gestalten“, sagt er. Zur Tradition der Stiftung gehört es, „Themen voranzubringen, die gesellschaftliche Probleme lösen“.

Darum geht es seit über 100 Jahren. Kurz nach der Gründung schuf die Stiftung Sanatoriumsplätze für an Tuberkulose erkrankte Kinder von Beschäftigten. Die Stiftung half, und sie motivierte Beschäftigte, indem sie ihnen die Sorge um die Kinder abnahm. Heute hofft Schmitt-Lord, dass kreative Menschen, die in ihrem Umfeld Bedarf entdecken, seine Stiftung finden: „Es geht uns sehr darum, sinnvoll zu investieren in gute Projekte.“ Zwei Menschen, deren Arbeit die Stiftung unterstützt, traf er jüngst beim Berlinbesuch in den Räumen des Elisabethstifts in Hermsdorf. Mit 4996 Euro unterstützt das Ehrenamtsprogramm der Stiftung das Projekt „Zeitschenker gesucht“, mit dem die Auszubildende Nora Müller und die Krankenschwester Sandra Haase Paten suchen für Kinder und Jugendliche aus schwierigen Familien, die im Elisabethstift aufgenommen wurden. Die 22-jährige Nora Müller, die kurz vor ihrer Abschlussprüfung als Chemielaborantin steht, ist schon seit längerem Patin. Sie wollte immer gern was mit Kindern machen und kümmerte sich dann um ein Mädchen im Elisabethstift. In der Woche abends hilft sie bei den Hausaufgaben, „am Wochenende geht man vielleicht mal Eislaufen oder Shoppen.“ Knapp 5000 Euro Förderung gab es für die nächsten beiden Jahre.

Auch Nicolai Schmarbeck kümmert sich um Kinder, die kein einfaches Leben haben, weil ihre Eltern Alkoholiker oder Drogenabhängige sind. Er selbst holt gerade auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur nach. Nebenbei schafft er Orte, an denen die Kinder über ihre Probleme in Ruhe sprechen und dem tristen Alltag zu Hause entfliehen können. Manchmal erlebt er unglaubliche Dinge. Kinder im Alter von 11 oder 12 Jahren, die noch nie in ihrem Leben im Kino oder im Schwimmbad oder am Brandenburger Tor waren. Ein Junge war auch vorübergehend im Elisabethstift untergebracht. Ja, man brauche Geduld für dieses Ehrenamt, sagt er. Die Kinder hätten zum Teil so viele Enttäuschungen erlebt, dass es manchmal ein Jahr dauert, bis sie Vertrauen entwickeln. „Erst mal testen sie einen, ob man es auch ernst meint.“ Viele seien in den Familien mit Gewaltexzessen konfrontiert. Auf Kanufreizeiten können Kinder, die Jahre vor dem Fernseher oder der Playstation „geparkt“ wurden, andere Perspektiven für ihr Leben entwickeln.

Seit dem Beginn des Bayer-Ehrenamtsprogramms bekamen in Berlin und Brandenburg 32 Ehrenamtliche insgesamt 105 000 Euro Zuschüsse für ihre Arbeit. Deutschlandweit stehen 150 000 Euro jährlich für diese Arbeit zur Verfügung. Dieses Jahr wird Bayer 150 Jahre alt, da wird zusätzlich eine Million Euro verteilt an Bayer-Beschäftigte, die etwas ändern und sich ehrenamtlich engagieren wollen. Die Stiftung berät auch, etwa bei der Erstellung eines Finanzkonzepts: „Wir sind in der Lage, ein wohltätiges Projekt unternehmerisch zu betrachten“, sagt Schmitt-Lord. Das bedeute auch zu beurteilen, ob es Sinn mache, einen bestimmten Weg zu gehen. Effizienz sei wichtig: „Reine Charity ist nicht unser Business.“ Die Stiftung bietet auch eine Freiwilligenbörse an: „Unsere Mitarbeiter im Konzern können ja viele Berufe ausüben, da gibt es Gärtner, Handwerker, Finanzexperten.“ Helmut Wegner, Geschäftsführer des Elisabethstiftes, sucht etwa handwerklich versierte Paten, die mal mit den Kindern üben, ein größeres Bild aufzuhängen oder ein Fahrrad zu reparieren.

Bei der Bayer-Stiftung muss ein Bewerbungsformular ausgefüllt werden – und dann hat man Chancen, nach allen Regeln der unternehmerischen Kunst beim Weltverbessern gefördert zu werden. Elisabeth Binder

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