Berlin : Gemeinsam wohnen von Jung und Alt

Mehrgenerationenhäuser werden immer beliebter Auch große Baugesellschaften bieten sie jetzt an

Florian Höhne

Berlin - Angesichts der alternden Gesellschaft werden Mehrgenerationenhäuser auch für große Wohnungsbaugesellschaften interessant: Gestern eröffnete die Degewo ihr erstes „Mehrgenerationenhaus“ in Marzahn. Für 700 000 Euro hat die städtische Gesellschaft einen Plattenbau umgebaut: Zwei der sechs Etagen wurden für betreute Wohngruppen ausgebaut. Die anderen sollen jungen Singles oder Familien ein Heim bieten. Bisher sind sieben der 17 Wohnungen vermietet – alle an Menschen, die älter als 50 sind. Der Grund für das Projekt: „Der Bedarf ist da“, sagt eine Sprecherin.

Das erste Mehrgenerationenhaus in Berlin ist dieses Projekt aber keineswegs. Insgesamt gäbe es bereits bis zu 500 „in der Wohnphase“, schätzt der Architekt Winfried Härtel, der seit 2003 private Baugruppen berät. Hinzu kommen etwa 50 weitere in Planung. Dabei handelt es sich vor allem um selbst organisierte Projekte, um Initiativen von Privatleuten oder kleinen Unternehmen – nicht um Projekte großer Wohnungsbaugesellschaften. In deren Häusern wohnen zwar normalerweise auch mehrere Generationen unter einem Dach. In ausgewiesene Mehrgenerationenhäuser haben sie bisher aber kaum investiert. Einzig in Berlin-Neukölln sind einige Projekte entstanden, bei denen jeweils eine Initiative mit einer Wohnungsbaugenossenschaft zusammenarbeitet.

Ein Großprojekt des generationenübergreifenden Wohnens entsteht derzeit auf dem Gelände des Alten Schlachthofs in Prenzlauer Berg. Das kirchennahe Unternehmen Avila baut dort ein Haus mit 142 Wohnungen, die im Herbst dieses Jahres fertig sein sollen. Bis 2010 sollen 650 Wohnungen entstehen. Geplant ist, dass die Caritas mit einer Wohngruppe für Demenzkranke miteinzieht.

Der Berliner Mieterverein begrüßt es, wenn auch große Unternehmen Mehrgenerationenhäuser bauen. So könnte diese Wohnform auch für diejenigen zur Verfügung stehen, die nicht selbst in einer Baugruppe mitmachen wollten, sagte Hartmann Vetter, Geschäftsführer des Vereins. Die privaten Initiativen scheiterten oft an finanziellen Problemen. Öffentliche Gelder gibt es zwar beispielsweise für ökologisches Bauen – Förderprogramme für Mehrgenerationenwohnprojekte existieren bislang nicht.

Dabei scheint die Nachfrage nach generationenübergreifendem Wohnen groß. Etwa 100 000 bis 150 000 Menschen würden sich dafür interessieren, schätzt Heidemarie Cramer vom privaten Arbeitskreis Wohnprojekte in Berlin. Seit Anfang März hat auch der Senat eine kostenlose Beratungsstelle für generationenübergreifendes Wohnen eingerichtet (Telefon 69081 777). Florian Höhne

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