Gemeinsame Sache 2016 : Wohlfühlen ist die beste Rendite

Soziale Verantwortung übernehmen oder die Nachbarschaft wachsen lassen – immer mehr Unternehmen und ihre Mitarbeiter engagieren sich für ihre Stadt.

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Einfach anpacken. Vor einem Jahr engagierten sich die Dussmann-Mitarbeiter für Flüchtlinge in einer Kreuzberger Unterkunft.
Einfach anpacken. Vor einem Jahr engagierten sich die Dussmann-Mitarbeiter für Flüchtlinge in einer Kreuzberger Unterkunft.Foto: Promo

Ohne die Hilfe von Nachbarn und Gönnern wäre der Garten des Kinderclubs Sternschnuppe in der Neuköllner Hannemannstraße heute wohl nur halb so schön. Mit Hilfe von Spenden konnten die Sträucher beschnitten werden, das Klettergerüst erhielt einen neuen Anstrich und neben dem Bolzplatz lädt seit Kurzem eine Sitzecke aus Europaletten zum Picknick ein. „Wir sind hellauf begeistert“, schwärmt die Mitarbeiterin der Einrichtung Marianne Warm. „Alles sieht aus wie neu.“

Und die Hilfsbereitschaft geht weiter: Am 14. September rücken 40 freiwillige Helfer mit neuen Paletten, Pflanzen für den Garten sowie Farbtöpfen und Pinseln an, um das Werk zu vollenden. Sie kommen vom Dienstleistungsunternehmen Dussmann, um Gutes zu tun. Der „Social Day“ hat seit vier Jahren einen festen Platz im Kalender des Familienunternehmens mit Hauptsitz in Berlin. Schon zur Weihnachtsfeier liegen die Listen aus, in die sich die Freiwilligen eintragen. „Das ist immer sehr beliebt“, berichtet Unternehmenssprecherin Michaela Mehls.

Immer mehr Unternehmen empfinden eine soziale Verantwortung, sich für ihre Stadt zu engagieren. Das Vermietungsportal Immobilienscout24 etwa ist erneut dabei mit einer Sammelaktion für ein Flüchtlingsheim. Coca-Cola-Mitarbeiter pflegen ein Naturschutzgebiet nördlich von Berlin. Auch die Mitarbeiter von „visit Berlin“ helfen mit, Berlin schöner zu machen. Unter dem Namen „Service in the City“ geht die Berliner Tourismus-Agentur zusammen mit Partnern aus der Reisebranche auf die Straße. Seit 2014 befreite das Gastgeber-Netzwerk bereits unter anderem den Monbijoupark, den Boxhagener Platz und das Kreuzberger Planufer von den Hinterlassenschaften der Besucher. „Wir suchen uns die Kristallisationspunkte heraus, wo wir Handlungsbedarf sehen“, sagt Christian Tänzler. Zum kommenden Aktionstag am 9. September ist der Mauerpark dran. Die Helfer sind von 15 bis 18 Uhr vor Ort.

Zehn Aktionen sind geplant

Branchenverbände, Gasthäuser, touristische Unternehmen und Einrichtungen haben ihre Teilnahme zugesagt. Vor allem aber wolle man die Passanten dazu animieren, spontan zum Müllpicker zu greifen, erklärt Tänzler. Die Strategie habe in der Vergangenheit gut funktioniert: 25 bis 45 ehrenamtliche Parkreiniger kamen so zusammen. „Wir sind als Tourismus-Marketing-Agentur natürlich sehr daran interessiert, dass Berlin ein gutes Bild abgibt“, erklärt Tänzler das Projekt.

Bei der Wohnungsbau-Gesellschaft Gewobag hingegen sollen sich in erster Linie die Einheimischen wohlfühlen. Schon seit Jahren bindet das Unternehmen seine Mitarbeiter und Mieter in die Pflege der Wohnanlagen ein. Patenschaften für Hauseingangsbereiche, Pflanzaktionen und gemeinschaftlicher Großputz sollen lebenswerte Nachbarschaften entstehen lassen. „Wenn das Gesamtbild des Quartiers stimmt, können sich die Anwohner viel besser damit identifizieren“, sagt Kerstin Kirsch, Geschäftsführerin der Gewobag Mieterberatungsgesellschaft. „So wird ein Quartier zum Raum für Gemeinschaft, in der jeder gern zu Hause ist.“

Zehn Aktionen in sechs Bezirken plant das Unternehmen im September und Oktober. 2000 Blumenzwiebeln sollen gesetzt werden, damit im Frühjahr Tulpen, Krokusse und Narzissen sprießen. Zum Aktionstag am 9. September hat die Gewobag die Anwohner rund um den Mehringplatz in Kreuzberg aufgerufen, ihren grünen Daumen unter Beweis zu stellen. Hier sind Schüler der Kurt-Schumacher- und der Galilei-Grundschule Seite an Seite mit dem Quartiersmanagement, dem Verein Globale und dem Platzgärtner unterwegs für ein schöneres Berlin. Im benachbarten Theodor-Wolff-Park sorgen Familien für saubere Gehwege und Grünflächen.

Die Planung nehme mehrere Monate in Anspruch

Den Organisatoren bei Dussmann bleiben noch ein paar Tage Zeit, um sicherzustellen, dass alles Material pünktlich am Einsatzort ankommt. Während im Hof gewerkelt, gemalert und gegärtnert wird, sollen nämlich Küche und sanitäre Anlagen einer professionellen Grundreinigung unterzogen werden. Die Planung nehme mehrere Monate in Anspruch, erzählt Sprecherin Mehls. „Ich sag immer: Nach dem Social Day ist vor dem Social Day“, meint sie. „Ich freue mich aber jedes Jahr darauf.“ Denn an dem Sozialtag packen alle mit an, „bis hinauf zur Vorstandsebene“. Nach getaner Arbeit wird gemeinsam gegrillt.

Und worauf freuen sich die Kinder am meisten? „Auf die Geschenke natürlich“, sagt Kinderclub-Mitarbeiterin Warm. „Natürlich kommen wir nicht mit leeren Händen zu den Kindern“, bestätigt Mehls. Die Einrichtung sei stark auf Spenden angewiesen. Von Montag bis Freitag finden Kinder zwischen sechs und 15 Jahren im Kinderclub einen Ort zum Spielen und Lernen. Zweimal die Woche kommen die Flüchtlingskinder aus der Unterkunft in der Haalemer Straße zu Besuch. Dussmann stiftet Bücher und Lernmaterialien, Kindermöbel und Spielsachen für draußen. Auch die gemeinsamen Kochnachmittage sollen gerettet sein: Mit den Küchenutensilien, einem neuen Gasherd und den regelmäßigen Zutatenlieferungen von Dussmann können Warm und die Kinder auch weiterhin alle zwei Wochen den Kochlöffel schwingen.

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