• Gemeinsame Sache in Berlin-Mitte 2016: Engagement gehört in diesem Pharmakonzern zum Job

Gemeinsame Sache in Berlin-Mitte 2016 : Engagement gehört in diesem Pharmakonzern zum Job

Ehrenamt wird gefördert im Pharmakonzern Pfizer: Freiwillige helfen in einer Caritas-Station oder unterstützen „Charité hilft“ bei der Behandlung von Asylbewerbern.

Jana Scholz
Foto: Doris Klaas-Spiekermann
Helfen macht Spaß. Mitarbeiter des Pharmakonzerns Pfizer engagieren sich in der Flüchtlingshilfe.Foto: Doris Klaas-Spiekermann

Konzentriert betrachtet Rashad die aufgemalte Uhr auf dem Papier vor ihm. Auf Deutsch und Arabisch stehen darunter die passenden Begrüßungen. Dann schaut er hoch und strahlt: „Guten Tag!“ Rashad ist seit fünf Monaten in der Notübernachtung für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge der Caritas.

Der 26-Jährige sitzt im Rollstuhl. Jeden Donnerstagnachmittag kommt er in den Freizeittreff im Aufenthaltsraum, um mit ehrenamtlich tätigen Mitarbeitern des Pharmaunternehmens Pfizer Deutsch zu üben. Wöchentlich stellt das pharmazeutische Unternehmen Mitarbeiter frei, um im ehemaligen Median-Krankenhaus auf dem Lageso-Gelände für die Flüchtlinge da zu sein. Das Angebot nehmen die 30 Bewohner der Caritas-Station intensiv wahr. Schwangere, Menschen mit Behinderungen und chronisch Erkrankte kommen zum Deutschlernen und zur Beratung, aber auch zum Basteln und Spielen.

An diesem Tag sind Myriam Aribot, Christina Gross und Tim Braun von Pfizer gekommen. Seit Ende letzten Jahres engagieren sie sich dort. „Ich finde es schön, mit wie viel Freude die Menschen das Angebot wahrnehmen“, sagt Christina Gross. Mit einer afghanischen Mutter und deren Tochter spielt sie eine Art Memory: Den Bildern auf Kärtchen ordnen sie ein deutsches Wort zu. Derweil bastelt der Sohn Papierflieger.

„Ich wohne in Moabit und habe miterlebt, wie die Menschen vor dem Lageso campierten oder mit ihren Habseligkeiten die Turmstraße hinabliefen“, sagt Tim Braun. „Der direkte Austausch ist für mich sehr wichtig. Wer sich für Flüchtlinge engagiert, hat nicht mehr nur eine abstrakte Masse von Menschen im Kopf.“ Braun ist bei Pfizer als Manager im Bereich Communications tätig.

„Wir machen eine Art Alltagskunde“

Wie seine Kolleginnen ist er kein ausgebildeter Deutschlehrer, aber eine erste Orientierung können sie den Flüchtlingen geben. „Wir machen eine Art Alltagskunde“, sagt Braun. Ein Paar, das ein Kind erwartete und in Damaskus studiert hatte, fragte nach der Anerkennung ihrer Abschlüsse. „Bei solchen Fragen können wir helfen und Kontakte vermitteln.“

„Engagement ist fest in unserer Unternehmenskultur verankert“, sagt Christiane Fleiter. Sie koordiniert das Engagement der rund 100 Freiwilligen Helfer des Konzerns. Von den fast 650 Mitarbeitern des Berliner Standorts am Potsdamer Platz kennen sich naturgemäß nicht alle persönlich. Doch beim sozialen Engagement lernt man auch Kollegen aus anderen Abteilungen kennen – ein positiver Effekt für das Unternehmen.

Gerade wenn die Freizeit knapp ist, schätzen die Mitarbeiter die Möglichkeit, sich innerhalb ihrer Arbeitszeiten zu engagieren. Dabei ist das Ehrenamt freiwillig: Sie können selbst entscheiden, ob und in welchem Bereich sie sich engagieren wollen. Neben der Flüchtlingshilfe engagieren sich Pfizer-Mitarbeiter auch als Lesepaten in einer Grundschule. Jede Woche lesen sie mit Erst- und Zweitklässlern. Hinzu kommen die Engagement-Tage: Im September widmen sich die Ehrenamtlichen des Pharmakonzerns eine Woche lang mehreren sozialen Projekten. Einige unternehmen mit Seniorinnen des Otto-Dibelius-Stifts in Mariendorf einen Ausflug in den Britzer Garten. Andere engagieren sich in einer Wilmersdorfer Notunterkunft für junge Mütter.

Nur eine temporäre Einrichtung

Im letzten Jahr renovierten die Freiwilligen von Pfizer den Flur und Behandlungsräume der Caritas-Einrichtung sowie Untersuchungszimmer von „Charité hilft“ im Lageso. Der so genannte Medi-Point der Charité arbeitet eng mit der Notunterkunft der Caritas zusammen. Zunächst halfen die Freiwilligen von Pfizer bei praktischen Aufgaben: Sie bauten Möbel auf oder begleiteten die Flüchtlinge zum Arzt. Daraus entwickelte sich der feste wöchentliche Termin, bei dem die Flüchtlinge auch bei Fragen aller Art Hilfe bei den Ehrenamtlichen suchen können.

Die Caritas-Einrichtung entstand Ende 2015. „Als Koordinatoren der Erstaufnahme stellten wir fest, dass der medizinische Versorgungsbedarf sehr hoch war“, sagt Danielle Kinza. „Deswegen richteten wir die Notübernachtung für besonders Schutzbedürftige ein.“ Kinza leitet die Station. Erst nach der Registrierung haben die Flüchtlinge Anspruch auf Gesundheitsleistungen. Die Caritas bietet den besonders Schutzbedürftigen sofort eine Unterkunft und zusammen mit „Charité hilft“ medizinische Betreuung. Außerdem stellt sie Arztkontakte her und beantwortet Fragen zum Gesundheitssystem.

Selten sind jedoch die Bewohner so lange in der Notübernachtung wie etwa Rashad. „Die Flüchtlinge wohnen durchschnittlich nur zwei Wochen hier“, sagt Kinza. Sobald eine Unterkunft gefunden ist, ziehen sie aus. Dabei müssen bei den chronisch kranken oder behinderten Flüchtlingen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein; viele benötigen ein Einzelzimmer oder einen barrierefreien Wohnraum. Nicht immer findet sich schnell eine längerfristige Unterkunft.

Die Einrichtung der Caritas für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge ist übrigens nur temporär: Bis Ende des Jahres können sie ihre Arbeit in den Räumen des Lageso fortsetzen. Wie es danach weitergeht, ist noch ungewiss.

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