Gemeinsame Sache in Berlin-Mitte 2017 : Für 200km spendiert der Chef einen Baum

Die Mitarbeiter der Konzerne Pfizer und Coca-Cola haben bald Dreck am Stecken. Denn sie pflanzen Bäume und jäten Unkraut – freiwillig.

Felix Kessler
Vom Schreibtisch in den Wald. Pfizer-Mitarbeiterin Irina Leibold engagiert sich mit Kollegen für ein Aufforstungsprojekt.
Vom Schreibtisch in den Wald. Pfizer-Mitarbeiterin Irina Leibold engagiert sich mit Kollegen für ein Aufforstungsprojekt.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Etwa eine Tonne Kohlenstoffdioxid wird bei einem Flug von New York nach Berlin ausgestoßen – pro Passagier. Eine Tonne CO2 ist ungefähr die Menge, die eine ausgewachsene Buche im Laufe ihres Lebens binden kann. Was all das miteinander zu tun hat? Für die Angestellten beim Pharmaunternehmen Pfizer, das in Berlin den deutschen und in New York den weltweiten Hauptsitz hat, eine ganze Menge. Denn der Flug zur Firmenzentrale dürfte – wie bei jedem anderen Weltkonzern – für einige der rund 650 Mitarbeiter in Berlin regelmäßig vorkommen.

Der für das Klima belastende, manchmal aber trotzdem notwendigen Fliegerei tritt man bei Pfizer allerdings seit einiger Zeit entgegen. Die Mitarbeiter sollen schon auf dem täglichen Weg zur Arbeit das Klima schonen. Mit einer App können sie aufzeichnen, wie viele Kilometer sie beim Pendeln klimaschonend zurückgelegt haben, also mit dem Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Pro 200 Kilometer wird vom Unternehmen ein Baum gespendet. Im Fall der Pressesprecherin Susanne Straetmans, die täglich etwa 14 Kilometer mit dem Rad zurücklegt, ist das etwa alle drei Wochen ein neues Laubbäumchen. „Durch eine Rangliste ist sogar ein recht ehrgeizig geführter Wettbewerb losgegangen“, sagt Straetmans. Einige hundert Pflanzen sind so schon zusammengekommen und sollen bald in der Köpenicker Mittelheide eingepflanzt werden.

Freigestellt für die Umwelt

Doch bevor es damit losgehen kann, bereiten 20 Pfizer-Mitarbeiter im Rahmen des Aktionstages für ein schönes Berlin ein Stück Forst in Friedrichshagen vor. Mit dabei sein wird auch Irina Leibold, die bei Pfizer Deutschland für Unternehmensverantwortung zuständig ist. „Bevor die Bäume im Spätherbst gepflanzt werden können, muss das Waldstück zuerst vorbereitet und von unerwünschten Gewächsen befreit werden“, sagt Leibold. „Wie für alle vergleichbaren Aktionen werden die Mitarbeiter an den Tagen freigestellt.“

Das Baumprojekt ist nur eine von insgesamt sieben Aktionen, bei denen sich Pfizer-Mitarbeiter rund um den Aktionstag „Gemeinsame Sache“ engagieren. Mitarbeiter unterstützen ein Seniorenheim, backen Waffeln für Obdachlose oder helfen bei der Renovierung eines Jugendforschungsschiffes.

„Wir haben als Unternehmen eine Verpflichtung für die Gesellschaft und wollten uns auch als Bürger dieser Stadt einbringen“, sagt Straetmans zur Philosophie der Social-Day-Aktivitäten. „Einfach nur Geld zu spenden, war uns zu einfach.“ Schon seit Jahren engagieren sich Pfizer-Mitarbeiter daher gemeinsam mit der Caritas in der Flüchtlingshilfe. Einmal pro Woche helfen Mitarbeiter an der Charité, begleiten Flüchtlinge zum Arzt oder unterstützen die Menschen bei allgemeinen Problemen mit dem neuen Leben in Berlin.

Großkonzerne engagieren sich

Der Pharmariese Pfizer ist dabei nicht der einzige Konzern, der sich ehrenamtlich engagiert. Beim Wohnungsportal Immoscout24 haben sich Mitarbeiter zusammengesetzt und für Flüchtlinge aus Syrien und dem Nahen Osten ein hilfreiches Tool entwickelt. In arabischer Sprache und mit Videounterstützung wird dabei geholfen, die Hürden bei der Wohnungssuche in Deutschland zu überwinden und den Geflüchteten zu zeigen, was von der Bewerbung bis hin zur Anmeldung beim Bezirksamt zu erledigen ist.

Auch Coca-Cola beteiligt sich am Aktionstag. Das Unternehmen hat seine Zentrale mit rund 500 Mitarbeitern an der Stralauer Allee in Friedrichshain. Für etwa 20 Beschäftigte geht es zu den Aktionstagen ebenfalls raus ins Grüne: Der etwa vier Kilometer lange „Löwenzahn Naturlehrpfad“ am südlichen Rand des Naturparks Barnim soll verschönert werden. Der Name des Naturpfades geht auf die ZDF-Kindersendung „Löwenzahn“ zurück. Die Strecke soll Heranwachsende zum Entdecken der Natur anregen und führt unweit des Dreiecks Pankow rund um die Schönerlinder Teiche. Das Areal eines ehemaligen Klärwerkes steht seit 1997 unter Naturschutz und ist Heimat für Wasserbüffel und Wildpferde. Hier wollen die Mitarbeiter von Coca-Cola am Aktionstag Hecken schneiden und Parkbänke neu streichen.

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