• Gemeinsame Sache in Marzahn-Hellersdorf 2016: Marzahn-Hellersdorf: Wurzeln und wachsen lassen

Gemeinsame Sache in Marzahn-Hellersdorf 2016 : Marzahn-Hellersdorf: Wurzeln und wachsen lassen

Eine Initiative setzt auf Gärtnern mit Flüchtlingsfamilien. Dabei wachsen Pflanzen – und Verantwortung.

Jana Scholz
Kräuter sammeln für die Butter. Robert Shaw (mit Mütze) organisiert zum 4.Mal einen Nachmittag mit Workshops für Flüchtlingskinder.
Kräuter sammeln für die Butter. Robert Shaw (mit Mütze) organisiert zum 4.Mal einen Nachmittag mit Workshops für...Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Im Kreuzberger Prinzessinnengarten herrscht großer Trubel. Bunt geschminkte Kinder reparieren Fahrräder und Skateboards, bauen eine Bank, sammeln Kräuter und backen Brot. Vier Mädchen kneten Teig für ein Fladenbrot, mit Kumin und Kräutern der Provence. „Mir gefällt es gut hier“, sagt eine Zwölfjährige. Sie ist zum ersten Mal in dem urbanen Garten. Einziges Manko: „Hier sind so viele Bäume, um die man herumlaufen muss.“ Dafür hat sie schon ein Skateboard aufgemöbelt, das sie mitnehmen darf, und Kräuter und Blüten für die „Bunte Butter“ gesammelt. Diese Kräuterbutter wird später beim gemeinsamen Essen zusammen mit dem Brot verspeist.

Letztes Jahr starteten das Kinder- und Jugendbeteiligungsbüro Marzahn-Hellersdorf und der Prinzessinnengarten eine gemeinsame Initiative: Das Flüchtlingsheim in der Carola-Neher-Straße sollte grüner werden. „Der Hof war zu groß und zu trist“, sagt Robert Shaw vom Prinzessinnengarten. 180 Kinder wohnen im ehemaligen Max-Reinhardt-Gymnasium. Zwar gebe es nachmittags Freizeitangebote, doch für die Energie der Kinder reichten die oft nicht aus, sagt Shaw. Also legten sie zusammen mit den Bewohnern mobile Hochbeete an und zimmerten Gartenmöbel.

Gartenprojekte sind sehr hilfreich

"Die Kinder des Heims kommen selten raus“, sagt Frauke Groner vom Kinder- und Jugendbüro. „Das liegt auch an dem feindlichen Empfang, den die Flüchtlinge bei ihrem Einzug erlebten.“ Da ist es wichtig, sich den Ort schön zu machen, an dem die Familien die meiste Zeit verbringen. Doch es blieb nicht bei dem Hofgarten: Schon zum dritten Mal sind Kinder und Eltern aus der Carola-Neher-Straße auch zu Besuch am Kreuzberger Moritzplatz. Zusammen werkeln sie, kochen und lauschen einer brasilianischen Band. „Wurzeln und wachsen lassen“, nennt sich die Initiative vom Kinder- und Jugendbüro und dem Prinzessinnengarten.

Die Prinzessinnengärtner haben bereits viel Erfahrung mit dem sogenannten „Urban Gardening“. Über 140 mobile Gärten haben sie angelegt: 40 Schulen, drei Flüchtlingsheime sowie Kindergärten oder Nachbarschaftszentren erhielten ihre eigene städtische Oase. Die Kooperation mit dem Flüchtlingsheim ist für die Prinzessinnengärtner trotzdem etwas Besonderes. „Es ist schön zu sehen, dass unsere Arbeit inzwischen fruchtet“, findet Shaw. „Ich habe selten einen Ort erlebt, an dem die Kinder so viel Lust haben, sich zu beteiligen.“ Während anfangs noch die eine oder andere Pflanze herausgerissen wurde, gäbe es nun eine Identifikation mit ihrem Hofgarten.

Gemeinsame Sache 2015
Im Monbijourpark räumte der Berlin International Women’s Club auf.Weitere Bilder anzeigen
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30.09.2015 20:26Berlin macht sein Ding: "Saubere Sache - Gemeinsame Sache" hießen die beiden Aktionstage am 18. und 19. September, bei denen sich...

Solche positiven Effekte weiß auch der Bezirk Marzahn-Hellersdorf zu schätzen. „Gartenprojekte sind aus unserer Sicht sehr hilfreich“, sagt Francisco Cárdenas Ruiz, Flüchtlingskoordinator des Bezirks. Denn sie machen Spaß und bieten Erholung. „Die Menschen in den Heimen haben zwar viel Papierkram zu erledigen und besuchen Sprachkurse. Aber das ist keine Beschäftigung für den ganzen Tag.“

Ort des Austauschs

Shaw und Groner wissen aber auch, dass ein Garten allein nicht glücklich macht. Es kommt darauf an, gemeinsam aktiv zu sein und zusammen zu wachsen. Denn der Garten ist für sie nicht nur ein Ort urbaner Landwirtschaft, sondern auch des interkulturellen Austauschs. Dabei lernen beide Partner voneinander. „Menschen aus ländlichen Gegenden bringen oft landwirtschaftliches Wissen mit. Manchen kann ich nichts mehr beibringen“, sagt Shaw und lacht. Ihr Wissen über Mischkulturen oder seltene Gemüse- und Kräutersorten passt gut zum Konzept eines ökologischen, nachhaltigen Gartenbaus.

Zum Aktionstag „Gemeinsame Sache“ laden die Kinder des Flüchtlingsheims in der Carola-Neher-Straße am 16. September zu einem Fest ein. Von 14 bis 19 Uhr bieten soziale Träger aus ganz Berlin ein vielfältiges Programm im Flüchtlingsheim an: Kinderschminken, Puppentheater, ein Fußballturnier, Clownshows und T-Shirts Bedrucken. Außerdem präsentieren die Kinder Bilder und Geschichten, die sie mit dem Kinder- und Jugendbüro in einem „Erzählsalon“ erarbeitet haben. Die Nachbarschaft und alle Interessierten sind an diesem Tag Gäste des Heims. Wer will, kann eigene Aktionen für das Fest vorschlagen.

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