Berlin : Gemeinsame Träume - warum ein geteiltes Land?

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Daliah aus der 5b der Jüdischen Grundschule hat ein Gedicht geschrieben "über Fremde, die zu Freunden werden und dass man nicht wissen kann, was die anderen denken, wenn man nicht mit ihnen gesprochen hat." Damit gewann die 10-Jährige einen der ersten Preise des Gedichtwettbewerbes, den die Zehlendorfer Heinz-Galinski-Schule im Frühjahr nach israelischem Vorbild ausgeschrieben hatte.

Das israelische Friedensprojekt Givat Haviva, das seit 50 Jahren jüdische, arabische und palästinensische Kinder und Jugendliche zusammenbringt, lobte 1999 einen Dichterwettstreit zum Thema "Frieden, Shalom, Salam" aus. Innerhalb eines Monats kamen tausende Beiträge. Die besten Gedichte und auch Bilder, die Kinder in gemeinsamen Workshops gemalt haben, sind in einem Buch abgedruckt. Bundespräsident Rau und Israels Botschafter Shimon Stein haben es gestern in der Jüdischen Grundschule im Rahmen der Jüdischen Kulturtage vorgestellt. Daliah und die anderen kleinen Berliner Friedens-Dichter erhielten als erste Preise je ein von Rau signiertes Exemplar des Givat-Haviva-Buches. Applaus und Lacher der Schüler erntete der Bundespräsident, als er von seinen Erfahrungen im Givat-Haviva-Workshop berichtete. Das Bild, das er gemalt habe - "etwas Picassoartiges" - werde hoffentlich nie irgendwo gezeigt. Aber die Botschaft von Givat Haviva wolle er gern weitergeben: "Dass die Menschen zusammengehören und zusammenleben können und dass man das einüben kann." In der Jüdischen Grundschule jedenfalls sind schon 11-Jährige bestens über den israelisch-palästinensischen Konflikt informiert. "Wir sind nicht nur für die Israelis", sagt David. Eigentlich seien ja beide Seiten Schuld an dem Konflikt. "Ich finde, die sollten sich zusammentun und Frieden machen", ergänzt Sarah. Religion sollte kein Grund für einen Krieg sein, sind sich die beiden einig.

Die 17-jährige Reut Avraham aus Israel, die den Kindern eines der Givat-Haviva-Gedichte vorlas, hat bei der Arbeit für eine Jüdisch-Arabische Jugendzeitung ihre beste Freundin, ein Mädchen aus Jordanien kennengelernt. Auch kurz nach den letzten Anschlägen palästinensischer Fanatiker und einen Tag, nachdem fünf Kinder im Gazastreifen getötet wurden, ist Reut überzeugt: "Wir haben die selben Träume, wir haben viel gemeinsame Kultur - warum können wir nicht auch das Land teilen?" Kinder, die jemanden von der anderen Seite kennenlernten, würden keine Steine werfen.

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