Gemeinschaftsschule : Zwölf Bewerber wollen mitmachen

Von rund 40 Schulen oder Schulverbänden, die im Juni ihr Interesse an der Pilotphase bekundet hatten, sind etwa ein Dutzend übrig geblieben. Es gibt weiter große regionale Unterschiede bei der Akzeptanz des Modells.

Susanne Vieth-Entus

Berlins Primus in Sachen „Gemeinschaftsschule“ ist bisher Treptow- Köpenick. Hier gibt es drei aussichtsreiche Bewerber für das kommende Schuljahr. Ganz im Gegensatz dazu können fünf Bezirke noch nicht einen einzigen ernsthaften Kandidaten für 2008/09 nennen, wie eine Tagesspiegel-Umfrage ergab.

Von rund 40 Schulen oder Schulverbänden, die im Juni ihr Interesse an der Pilotphase bekundet hatten, sind etwa ein Dutzend übrig geblieben, die kommendes Jahr starten wollen und mit der Unterstützung der Bezirke rechnen können. Mindestens sechs weitere Schulen möchten später nachziehen. Was aus den fünf Interessenten unter den freien Schulen wurde, ist bisher nicht bekannt.

Mit der Bildungsverwaltung ist verabredet, dass die Bezirke bis zu den Herbstferien ihre Stellungnahmen abgeben. Bereits jetzt deutet sich an, dass sich CDU- Bildungsstadträte dämpfend auf die Bewerbungsfreude auswirken. Nach dem Votum der Bezirke will Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) im November die Auswahl der Schulen bekannt geben. Wie berichtet, bekommen die Schulen, die an der Pilotphase teilnehmen, insgesamt 22 Millionen Euro bis 2011. In den einzelnen Bezirken stellt sich die Lage derzeit so dar:

CHARLOTTENBURG-WILMERSDORF

Im kommenden Schuljahr ist keine Schule dabei, aber es gibt einen aussichtsreichen Kandidaten für später: Die Friedensburg-Gesamtschule und die Miró-Grundschule wollen sich zusammentun und die Schüler von Klasse 1 bis 13 behalten. „Die Schulen brauchen aber noch Zeit, um ein Konzept zu entwickeln“, begründet Bildungsstadtrat Reinhard Naumann (SPD) die Verzögerung.

FRIEDRICHSHAIN-KREUZBERG

Bereits 2008/09 wollen die Emanuel-Lasker-Realschule und die Modersohn- Grundschule (Friedrichshain) gemeinsam starten. Laut Schulamtsleiterin Marion Beelicke stehen die Chancen seitens des Bezirks gut. Die Kreuzberger Lina-Morgenstern-Gesamtschule hat sich noch nicht endgültig für eine sofortige Bewerbung entschieden.

LICHTENBERG

Mit viel Elan macht sich die Hermann-Gmeiner-Grundschule auf den Weg. Sie hat genug Platz, um bis zur zehnten Klasse „hochzuwachsen“. Damit die Kinder anschließend auch noch das Abitur machen können, hat Schulleiterin Uta Schröder bereits zwei Kooperationen in Aussicht: mit dem Oberstufenzentrum Bürowirtschaft und mit dem dann fusionierten Forster-/Kant-Gymnasium. Anders als viele andere Pädagogen hat Schröder keine Bedenken, dass es klappen kann, alle Kinder zusammen, also ohne getrennte Leistungsgruppen, zu unterrichten. Ihre Diplomarbeit schrieb die Naturwissenschaftlerin über „innere Differenzierung im Mathematikunterricht“.

MARZAHN-HELLERSDORF

Die Hellersdorfer Mozart-Grundschule hat mit großer Mehrheit dafür gestimmt, bis zur 10. Klasse hochzuwachsen. Dabei helfen will die benachbarte Volkshochschule mit Räumen und Dozenten. In der gymnasialen Oberstufe soll es eine Zusammenarbeit mit dem Max-Reinhard-Gymnasium geben. Ein Jahr später könnte die Marzahner Thüringen-Gesamtschule folgen, der allerdings noch eine Lösung für Klasse 1 bis 6 fehlt, sagt Bildungsstadtrat Stefan Komoß (SPD).

MITTE

Hier gibt es zwei ernsthafte Bewerber – und beide in Moabit. Zum einen die erfolgreiche und angesehene Heinrich-von-Stephan-Schule, eine kombinierte Haupt-/Realschule. Ihr fehlt aber noch eine kooperierende Grundschule. Besser hat es da die Moses-Mendelssohn-Gesamtschule, die mit der James- Krüss-Grundschule zusammengeht. „Das Bezirksamt begrüßt beide Bewerbungen grundsätzlich“, berichtet Bildungsstadträtin Dagmar Hänisch (SPD). Gegenwärtig prüfe das Schulamt die räumlichen Voraussetzungen an beiden Standorten.Um genügend Schüler für die gymnasiale Oberstufe zusammenzubringen, könnten beide Schulen kooperieren.

NEUKÖLLN

Wie bereits länger bekannt, gibt es hier zwei sehr aussichtsreiche Bewerber: Die Fritz-Karsen-Gesamtschule, die schon jetzt von Klasse 1 bis 13 geht, sowie ein Zusammenschluss von Rütli-Hauptschule, Heinrich-Heine-Realschule und Schubert-Grundschule. Der im letzten Jahr erfolgte Wechsel an der Spitze von „Rütli“ und „Heine“ hat dafür gesorgt, dass die Schulen, die sich seit langem ein Gebäude teilen, auch personell und inhaltlich zusammengerückt sind.

PANKOW

Bildungsstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD) geht davon aus, dass in Pankow „eine Schule dabei sein wird“. Welche, will sie nicht sagen – als einzige ihrer Amtskollegen. Vielleicht liegt das daran, dass alle Schulen, die sich im Interessenbekundungsverfahren zunächst gemeldet hatten, inzwischen aus verschiedenen Gründen aus dem Rennen sind. Aber vielleicht überrascht Pankow ja noch.

REINICKENDORF

Die einzige Interessentin, die Erpelgrund-Grundschule, hat auf eine Bewerbung verzichtet – mangels Schülern und Partnerschule.

SPANDAU

Hier ist von drei Interessenten nur noch die B.-Traven-Gesamtschule übrig geblieben, die allerdings noch keine Grundschule als Partnerin gefunden hat. Sie ist die einzige Gesamtschule im Bezirk ohne gymnasiale Oberstufe. Bildungsstadtrat Gerhard Hanke (CDU) unterstützt die Traven-Bewerbung, „weil die Kollegen es gern wollen“.

STEGLITZ-ZEHLENDORF

Die von Eltern besonders stark nachgefragte Nikolaus-August-Otto-Hauptschule hat Interesse. Bildungsstadträtin Anke Otto (Grüne) rechnet mit einer Bewerbung „vielleicht nächstes Jahr“. Die Rohrgarten-Grundschule scheide „wegen räumlicher Probleme“ aus.

TEMPELHOF-SCHÖNEBERG

Laut Schulamtsleiter Roger Gapp ist kein Bewerber übrig geblieben.

TREPTOW-KÖPENICK

Hier gibt es nicht nur drei ernsthafte Bewerber, sondern auch drei unterschiedliche Modelle: Die Grünauer Grundschule will auf eigenem Gelände bis Klasse 13 hochwachsen, die Sophie-Brahe-Realschule strebt eine Kooperation mit der Heidekamp-Grundschule an, und die Anna-Seghers-Gesamtschule, die bisher von Klasse 7 bis 13 geht, will eine eigene Grundschule gründen. Bildungsstadtrat Dirk Retzlaff (SPD) ist begeistert über die „ideale“ Ausgangslage seines Bezirks vor der Pilotphase zur Gemeinschaftsschule. Weitere Interessenten für 2009/10: Isaac-Newton- und Hans- Grade-Realschule sowie Heide-Grundschule.

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