Berlin : Gemischtes Doppel

Seltene Zwillinge: Ehepaar aus Prenzlauer Berg hat Babys mit unterschiedlichen Hautfarben bekommen

Liva Haensel

Im Biologieunterricht – Abteilung Genetik – ging es noch um rote, weiße und rosafarbene Blüten. Schüler lernten, dass sich nach den Mendel’schen Regeln Erbinformationen entweder ausgeprägt in einer einzigen Eigenschaft oder als Mischform vererben können. Dass auch das menschliche Miteinander manchmal exotische Blüten treibt, zeigt sich jetzt in Form von zwei ganz süßen Exemplaren: Ryan (helle Hautfarbe) und Leo (dunkle Hautfarbe) kamen am vergangenen Freitag im Sana-Klinikum Lichtenberg zur Welt. Die Wahrscheinlichkeit, dass zweieiige Zwillinge mit unterschiedlichen Hautfarben geboren werden, ist extrem niedrig: Unter einer Million Geburten von Zwillingspärchen eines Elternpaares mit jeweils unterschiedlicher Hautfarbe käme nur einmal so ein Fall vor, sagt Professor Klaus Vetter von der Geburtsmedizin am Vivantes Klinikum Neukölln.

Die Mutter der Babys, die 35-jährige Florence Gerth, stammt aus Ghana in Westafrika. Ihr Mann Stephan wurde in Potsdam geboren. Das Ehepaar lebt gemeinsam mit dem Sohn Randy (18) in Prenzlauer Berg. Die Eltern zeigten sich nach der Entbindung vollkommen erstaunt über ihre gegensätzlichen Kinder: „Ich dachte zuerst, etwas stimmt nicht mit ihnen. Ich hatte eigentlich Mischlingskinder erwartet“, sagt Florence Gerth lachend. „Jetzt bin ich aber ganz stolz auf sie und freue mich sehr.“ Das „Spiel der Natur“, wie es Klinikärztin Birgit Weber bezeichnet, sei sehr ungewöhnlich. „So etwas gab es hier in meiner 21-jährigen Klinikzeit noch nie“, sagt die leitende Gynäkologin der Geburtsabteilung. Normalerweise hätten Babys, die aus der Verbindung eines dunkelhäutigen und eines hellhäutigen Partners hervorgehen, eine gemischte Hautfarbe. Dass ein Kind weiß und eines ganz dunkel werde, sei extrem selten. Die Ärztin prognostiziert aber, dass die Hautfarbe des helleren Ryan noch nachdunkeln werde – „das kann man jetzt schon beobachten“. Dennoch werde er seine glatten Haare behalten, während Leo wohl ein Krausköpfchen bleibe. Auch die Augenfarbe Ryans – bisher dunkelblau – könne sich in den kommenden Jahren noch ins Braune verfärben, wie bei jedem anderen Kind auch, erklärte die Medizinerin.

Bei der Geburt der Zwillinge war ein siebenköpfiges Team von Chirurgen, Gynäkologen und OP-Pflegern beteiligt, die den Kindern per Kaiserschnitt auf die Welt halfen. „Erst haben wir den helleren Ryan aus dem Bauch geholt, dann seinen dunkleren Bruder Leo“, sagt Weber. Beide Kinder seien mit einem Gewicht von jeweils rund 2600 Gramm und einer Größe von 50 Zentimetern wohlauf.

Morgen möchte die Familie das Sana- Klinikum verlassen, um sich zu Hause auf ihren Nachwuchs zu konzentrieren. „Die Kleinen sind müde vom Rummel“, sagt Vater Stephan Gerth, der normalerweise in der Berliner Band „The Steve antiri discovery“ als Sänger und Posaunist anheuert. Dass seine beiden Söhne so früh im Leben schon größere Stars geworden sind als ihr Vater, hätte der 40-Jährige nicht erwartet – böse ist er ihnen deshalb aber nicht.

In zwei Wochen – „wenn sich die Situation beruhigt hat“ – will der Musiker wieder auf der Bühne stehen. Bis dahin höre er der Musik seiner Babys zu, sagt er: „Schreie, die man durchaus noch kultivieren könnte.“ Liva Haensel

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