Berlin : Gemischtes Publikum in der Fotoausstellung zu Olympia 1936

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"Wir passen auf, dass niemand auf die Idee kommt, Frau Riefenstahl zu beschimpfen." Der zuständige Polizeiabschnitt schickt in lockerer Folge zwei Beamte in die Fotogalerie "Camera Work", die "nur mal nach dem Rechten sehen" sollen. Anlass ist eine Ausstellung der inzwischen 97 Jahre alten Fotografin Leni Riefenstahl, die ihre Bilder von den Olympischen Sommerspielen 1936 noch bis zum 24. Juni zeigt.

Viele junge Leute kommen, um Riefenstahls Fotografien aus dem Band "Schönheit im olympischen Kampf" zu sehen, aber auch Zeitzeugen, darunter eine ältere Dame, die ihren Namen nicht nennen will. Während des 2. Weltkrieges hat sie in Berlin Sport studiert, ihr gefällt die Ästhetik der Bilder heute noch. "Die Harmonie von Körper, Seele und Geist hat uns damals vorgeschwebt", sagt sie. "Anders als bei den vielen Nacktaufnahmen heute, steckt bei diesen Bildern ein Können dahinter." Die körperliche Vollkommenheit sei auch ihr Ideal gewesen, sagt sie knapp und wendet sich wieder den Bildern zu: "Unsere Generation ist eben belastet."

Der 91-jährige Herbert Steinbrecher hatte die drei Treppen in den ersten Stock der Galerie in der Kantstraße hinter sich zurückgelassen, um Leni Riefenstahl persönlich seine Aufwartung zu machen - die Fotografin gab unlängst im oberen Stockwerk der Galerie ein Fernsehinterview. Die Bilder interessierten ihn weniger, eher schon der persönliche Kontakt zur Künstlerin. "In den 20-er Jahren habe ich sie in Innsbruck am Stadttheater tanzen sehen", erinnert sich Steinbrecher. "Sie war fantastisch, ganz in weiße Gewänder gehüllt." Seitdem hat Herbert Steinbrecher die Künstlerin nie wieder gesehen, welche Rolle sie damals tanzte, hat er vergessen. "Aber eines wollte ich noch tun: Ihr sagen, wie wunderbar sie war. Ich bin ein Verehrer." Damals war er 16, sie 22 Jahre alt.

Dass Links- oder Rechtsextremisten die Ausstellung besuchen könnten, hält die Galeristin Margitta Ptok für unwahrscheinlich. "Bis jetzt war noch niemand da, und wir glauben auch nicht, dass solche Leute kommen." Margitta Ptok freut sich vielmehr darüber, dass bereits viele Reservierungen für die Bilder eingegangen sind.

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