Berlin : Gendarmenmarkt – kein Platz für riesige Creme-Dosen

Die berühmten Plätze in Mitte sind begehrt, besonders bei Werbestrategen. Doch das Bezirksamt will mehr Kunst statt Kommerz

Ingo Bach

Pariser Platz, Gendarmenmarkt oder Platz der Republik – die Freiflächen vor den berühmtesten der Berliner Kulissen sind heiß begehrt. Allen voran sind es Werbestrategen, die hier neue Produkte aufmerksamkeitsheischend promoten wollen. Harald Büttner, Leiter des Tiefbauamtes in Mitte, ist immer wieder überrascht von der Trivialität der Events, die manche Veranstalter genehmigt haben wollen. „Ein großer Kosmetikkonzern plante eine gigantische Creme- Dose auf dem Gendarmenmarkt und ein Getränkehersteller eine überdimensionierte Brauseflasche am Brandenburger Tor.“ Der Schlossplatz dagegen ist für die Veranstalter oft nur zweite Wahl. „Da fehlt ihnen wohl die attraktive Kulisse“, sagt Büttner. Auch die Organisatoren des gegenwärtigen Beachvolleyball-Turniers hätten ihren Sand viel lieber vor das Brandenburger Tor gekippt. Doch das Tiefbauamt genehmigte nur die weite Brachfläche vor den Resten des Palastes der Republik.

Tausende Anträge auf Sondernutzungsgenehmigungen bearbeitet das Tiefbauamt Mitte jedes Jahr, sagt Büttner. Die überregional bekanntesten Plätze könne man an jedem Tag mit zwei Veranstaltungen belegen – doch die Genehmigungspolitik des Bezirksamtes ist rigoros. Meist hören die Antragsteller ein Nein, so wie auch die Kosmetik- und Brausepromoter. „Das sind öffentliche Plätze, die mit dem Geld der Allgemeinheit hergerichtet und erhalten werden. Da kann man die Öffentlichkeit nicht einfach wieder aussperren, nur um mehr Platz für Kommerz zu haben“, sagt Büttner. Mit dieser Begründung war auch jüngst die Veranstalterin Beate Wedekind gescheitert, die im August eine große Benefizparty auf dem Gendarmenmarkt schmeißen wollte. Der Gewinn sollte der Sanierung des Französischen Domes zugute kommen (wir berichteten).

Trotzdem werden Veranstaltungen auch mal genehmigt. Ein Weihnachtsmarkt oder das Classic-Open-Air-Festival auf dem Gendarmenmarkt zum Beispiel. Doch um die Belastungen für die Berliner durch Absperrungen so gering wie möglich zu halten, gibt es ein strenges Reglement: Zwischen den Events müssen mindestens vier Wochen liegen und die Veranstaltungen sollen in der Regel nicht länger als fünf Tage (inklusive Auf- und Abbau) dauern.

Jährlich erwirtschaftet der Bezirk Mitte über zwei Millionen Euro an Sondernutzungsgebühren. Und sicher könne man auch noch mehr verdienen, wenn auch nicht unbegrenzt. Denn die Gebührenordnung des Landes Berlin lässt nur wenige Zuschläge für besonders begehrte Straßen und Plätze zu. Einen Preis, der dem Gendarmenmarkt gerecht würde, könne man sowieso nicht verlangen, sagt Tiefbauamtsleiter Büttner.

Weniger Kommerz und mehr Kunst, das wünscht sich der Amtsleiter von den Eventorganisatoren – und schwärmt von Sevilla oder Barcelona. „Auf deren schönsten Plätzen hat Kommerz keine Chance, dafür aber Kunst, die sich für jedermann zugänglich mit dem Platz auseinandersetzt.“ Künstler, die ein überzeugendes Konzept präsentierten, hätten auch beim strengen Bezirksamt Berlin Mitte eine Chance für Pariser Platz, Gendarmenmarkt oder Platz der Republik.

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