Berlin : Gendarmenmarkt: Streit ums Maß unterm Deutschen Dom

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In Mitte bahnt sich erneut Streit um die Nutzung des Gendarmenmarktes als Veranstaltungsort für Feste an. Der Förderverein des Platzes beklagt, das Bezirksamt Mitte wolle auch in diesem Jahr ein Oktoberfest der bayerischen Landesvertretung zulassen. Das Volksfest sei an der Stelle falsch platziert, sagte gestern die Vorsitzende des Vereins, Ada Withake-Scholz. Außerdem widerspreche es den Grundsätzen eines vom Senat und vom Bezirk vereinbarten "Positivkatalogs", der Auflagen für historische Plätze und Straßen auflistet. Samt Aufbau würde das Fest den Gendarmenmarkt vom 7. bis zum 19. September belegen, hieß es. Zugelassen seien nur acht Tage.

Der Platz, auf dem das Schauspielhaus, der Deutsche und der Französische Dom stehen, nehme durch Aufbauarbeiten für große Veranstaltungen Schaden. Schwere Laster hätten immer wieder Bodenplatten und Laternen beschädigt. Im vergangenen Jahr hatte der Verein "Freunde und Förderer Gendarmenmarkt", ein Zusammenschluss von Anrainern, wie dem Hilton Hotel, den Galeries Lafayette und der Evangelischen Akademie, vor allem die "Billiggastronomie" eines Fest des Handwerkerverbandes kritisiert. Auch über das vergangene Oktoberfest hat es nach Auskunft des Vereins viele Beschwerden gegeben, unter anderem wegen der Lautstärke. Nach der "Positivliste" sind die "Classic-Open-Air"-Konzerte dagegen mit dem Charakter des Platzes vereinbar.

Die Bayerische Landesvertretung rechnet mit einer Zusage für ihr Oktoberfest. Es habe Gespräche mit dem Bezirksamt gegeben, unter anderem mit Bürgermeister Joachim Zeller (CDU), hieß es gestern. Die Signale seien positiv gewesen. Eine schriftliche Genehmigung liege jedoch noch nicht vor. Vom Bezirksamt war gestern keine Auskunft zu erhalten. Offenbar steht ein endgültiger Bezirksamtsbeschluss aber noch aus. Stadtplanungsstadträtin Dorothee Dubrau (Grüne) soll die Genehmigung zuvor versagt haben.

Der Förderverein kritisierte ferner, dass der Gendarmenmarkt unzureichend mit öffentlichen Toiletten ausgestattet sei. Für Touristen, die mit Bussen dorthin gefahren würden, stehe nur eine "Wall"-Toilette zur Verfügung, sagte Frau Withake-Scholz. Die Besucher wichen in eine Toilette des Deutschen Doms aus. Sie habe Verständnis dafür, dass der Bezirk auf weitere Koppelungsgeschäfte mit der Firma Wall verzichte, weil es genug Reklametafeln in der Stadt gebe. Er müsse trotzdem ausreichend öffentliche Toiletten zur Verfügung stellen.

Der Förderverein wies auf das traditionelle Turmkonzert hin, das am 1. Mai um 15 Uhr von den Bläsern des Berliner und des Deutschen Sinfonie Orchesters auf den Türmen der beiden Dome gegeben wird. Der Eintritt ist frei, bei Regen fällt die Veranstaltung jedoch aus.

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