Gendarmenmarkt : Verstellter Blick

Gerd Nowakowski findet Bäume auf dem Gendarmenmarkt nicht störend.

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Wie schön. Besucher verweilen gerne unter den grünen Wipfeln; besonders wenn die Sonne herniederbrennt, ist das Grün auf dem Gendarmenmarkt labend für den ausgedörrten Großstädter. Bald soll Schluss damit sein: die 140 Ahornbäume auf dem Platz sollen gefällt werden. Stattdessen soll ein Pflaster gelegt werden auf dem schönsten aller Berliner Plätze – mehrere Millionen Euro soll das kosten. Warum die Bäume stören? Sie behindern den Blick auf den Französischen Dom, sagt die Stadtentwicklungsverwaltung. Außerdem habe es bei der Anlage des Platzes im alten Preußen auch keine Bäume gegeben. Was für Argumente, zum Gotterbarmen dürftig. Man könnte meinen, hier werde im Gewande eines falschen Historismus noch einmal die DDR getilgt, die einst die Bäumchen setzen ließ. Das ist Planerdünkel, ganz von oben herab. Den verstellten Blick, den sie beklagen, haben sie selber – sonst würden sie sehen, dass Schönheit keine Kettensäge braucht.

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