Generaldirektor der Staatlichen Museen Berlin : "Gratis-Tage ziehen mehr Gäste an"

Rot-Rot-Grün hat die Gratis-Öffnung von Berlins Museen zu bestimmten Zeiten beschlossen. Im Interview begrüßt der Generaldirektor der Staatlichen Museen die Idee.

von
Anstehen. Hier für eine Sonderschau auf der Museumsinsel. Gratistage sollen den Andrang nun generell verstärken. Foto: picture alliance / dpa, Paul Zinken
Anstehen. Hier für eine Sonderschau auf der Museumsinsel. Gratistage sollen den Andrang nun generell verstärken.Foto: picture alliance / dpa, Paul Zinken

Herr Eissenhauer, alle Berliner Museen sollen in Zukunft nach dem Willen der neuen rot-rot-grünen Koalition zu bestimmten einheitlichen Zeiten gratis öffnen – zum Beispiel an jedem ersten Sonntag im Monat, ähnlich dem Modell der verkaufsoffenen Sonntage. Was halten Sie von der Idee der Politiker?

Das sehen wir bei den Staatlichen Museen grundsätzlich positiv. Eintrittsfreie Zeiten wären ein gutes kulturpolitisches Zeichen. Es ist ja der Traum jedes Museumsbetreibers, dass so viele Menschen wie möglich seine Ausstellungen besuchen. Und die Erfahrung zeigt eindeutig: Kommt man kostenlos ins Museum zu bestimmten einheitlichen Zeiten, die man sich gut merken kann, so zieht das mehr Publikum an, auch Menschen, die ansonsten eher nicht den Weg zu unseren Ausstellungen finden.

In Berlin sind die Rabatt- und Gratisangebote aber noch sehr verschieden und unübersichtlich, je nachdem, wem das Museum gehört – der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, dem Bund oder Land.
... wenn der neue Senat alle drei Träger an einen Tisch bringen will, um über einheitliche kostenfreie Zeitfenster zu verhandeln, sind wir als Vertreter der Staatlichen Museen zu Berlin natürlich dabei. Bei allem guten Willen muss aber sichergestellt sein, dass eventuelle Einnahmeverluste durch Gratiszeiten finanziell ausgeglichen werden. Das ist unverzichtbar, denn aus den Einnahmen unserer Eintrittskarten finanzieren wir unsere Arbeit.

Wer entscheidet über höhere Zuschüsse für die Stiftung?
Als Stiftung Öffentlichen Rechts werden wir vom Bund und den Ländern finanziert. Das heißt, deren Vertreter im Stiftungsrat müssen mit ausgeweiteten Gratisangeboten und entsprechend höheren Zuwendungen aus ihren Kassen einverstanden sein.

Michael Eissenhauer ist seit 2007 Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin. Foto: Thilo Rückeis
Michael Eissenhauer ist seit 2007 Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin.Foto: Thilo Rückeis

Wurde das Thema schon mal im Stiftungsrat diskutiert. Oder ist diese Anregung ganz neu?
Das ist immer wieder mal Thema gewesen, aber eintrittsfreie Zeiten berlinweit zu vereinheitlichen, das ist neu.

Wie waren denn die Erfahrungen bisheriger Gratistests?
Vor dem Jahr 2010 hatten unsere Museen schon einmal donnerstagabends kostenlos geöffnet. Aber daraus entstanden Probleme.

Warum?
Weil zu diesen Zeiten ein voller Touristenbus nach dem anderen vorfuhr, also die Reiseveranstalter unser Angebot systematisch ausnutzten. In der Folge mussten sich die Berliner, die wir eigentlich in unsere Museen locken wollten, teils mühsam durchs Gedränge schieben. Man sollte aber nicht übersehen, dass wir auch jetzt schon in den Staatlichen Museen großzügige Rabatte gewähren.

Welche zum Beispiel?
Vor allem die Jahreskarte. Ab 25 Euro können Sie zwölf Monate lang alle unsere 19 Museen in der Stadt besuchen. Das wird besonders von vielen älteren Menschen genutzt. Ermäßigte Karten kosten zudem überall nur die Hälfte. Und Kinder sowie Jugendliche bis 18 Jahre sind ja generell frei, nicht nur bei uns, sondern auch in den meisten Berliner Museen anderer Träger.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

5 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben