Berlin : Generalversammlung

Früher standen sie Posten an der Neuen Wache, jetzt im Prinzessinnengarten: Die Generäle Bülow und Scharnhorst sind raus aus dem Dunkel ihres Depots

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Von Helmut Caspar

„Berlins neuesten Stadtschmuck“ nannte Stadtentwicklungssenator Peter Strieder die beiden Herren. Und die Festgemeinde, die am Sonnabend zur Enthüllungsfeier gekommen war, applaudierte glücklich. Denn sie sind wieder da: Die beiden preußischen Generäle Scharnhorst und Bülow stehen jetzt im Prinzessinnengarten am Kronprinzenpalais Unter den Linden. Jahrelang waren sie unrestauriert in einem Depot verborgen.

Christian Daniel Rauch hatte die Marmordenkmäler im Auftrag König Friedrich Wilhelm III. geschaffen. Sie heute wieder aufzustellen, sei keine Verbeugung vor dem preußisch-deutschen Militarismus, sagte Strieder. Vielmehr sei die Rückkehr der Figuren als Reverenz vor einem großen Künstler und vor zwei Persönlichkeiten zu verstehen, die in der Zeit der politischen Erneuerung Preußens und der Befreiungskriege von 1813 bis 1815 für die Einheit und Freiheit Deutschlands eingetreten waren und deshalb zum progressiven Erbe gehören.

Strieder bedankte sich speziell bei den Erben von Käthe Kollwitz, die keine Einwände hatten, die beiden Denkmäler im Prinzessinnengarten aufstellen zu lassen. Vor wenigen Jahren war mit dem Bundeskanzleramt vereinbart worden, dass die Feldherren nicht vor das Wachgebäude und Mahnmal zurückkehren. Grund war die angebliche Unverträglichkeit der Monumente mit der im Wachgebäude stehenden Pietà, die Käthe Kollwitz zur Erinnerung an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft geschaffen hat. Der Vertrag läuft bis 2015. Denkmalpfleger und auch die Gesellschaft Historisches Berlin hoffen aber, dass die Generäle dann an ihren ursprünglichen Ort vor dem Wachgebäude zurück und die beiden Schutz- und Schmuckgitter wieder hergestellt werden können. Allerdings ist das Zukunftsmusik.

Im Moment kümmert sich das Landesdenkmalamt darum, dass den beiden Neulingen nichts geschieht. Der Carrara-Marmor wurde gereinigt und mit einem Schutzmittel gegen eindringendes Wasser imprägniert. Der Antigraffiti-Überzug wird regelmäßig erneuert, außerdem steht das ganze Ensemble unter zusätzlichem Polizeischutz.

„Den Figuren kann eigentlich nichts geschehen, sie stehen weit ab von der prächtigen Baumkulisse, so dass von dort keine Tropfen herabfallen und den Marmor aushöhlen können", sagte der stellvertretende Landeskonservator Klaus von Krosigk. Das Landesdenkmalamt habe ein Pflegeprogramm für die Standbilder Unter den Linden ausgearbeitet, sozusagen einen Figuren-TÜV, der regelmäßige Zustandskontrollen und bei Bedarf Restaurierungs- und Wartungsarbeiten vorsieht.

Während die Figur des Generals Bülow von Dennewitz, der im 19. Jahrhundert als Befreier von Berlin im Jahr 1813 Verehrung genoss, schon 1951 vom Sockel genommen und deponiert wurde, stand der preußische Militärreformer von Scharnhorst bis nach der Wende einsam im Prinzessinnengarten.

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