Berlin : Generation Grün

Axel Vornbäumen

Die grünen Jahre sind vorbei. Der Politiker Piet Escher hat Selbstmord begangen – und er hat dafür nicht nur die skurril anmutende Kulisse des Evergreen Air Centers in Tucson/Arizona gewählt, jene Endstation (Achtung: Symbol!) für ausrangierte Passagierflugzeuge. Nein, er hat seine letzten Minuten auch noch von seinem engsten Freund auf Video filmen lassen. Natürlich, ein Zeichen ist das, bezeichnend für eine zur Selbstverliebtheit neigende Generation. Und eine Idee, die der Autor Lukas Hammerstein aufnimmt, um das Leben Eschers in Momentaufnahmen nachzuzeichnen.

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Einen eigentümlich spröden, distanzierten und sprunghaften Erzählstil hat Hammerstein dafür gewählt, als könne man sich durch besonders schnelles Hin- und Herzappen der Person Eschers am sinnvollsten nähern - und der jüngeren Geschichte der Bundesrepublik gleich mit. Die Generation Grün wird da in hartem Licht ausgeleuchtet – und einmal, da ist Escher schon auf dem Absprung aus Deutschland, heißt es: „Er war es eh schon lange leid gewesen, mit Menschen, die nicht menschenfreundlich waren, über eine menschenfreundlichere Politik zu streiten. Er hatte die Selbstgerechtigkeit nicht mehr ertragen, und er meinte durchaus seine eigene.“

Ein Buch, wie bestellt zum Ende von Rot-Grün? Passt fast. Escher stirbt im Juni 2005, fast scheint es, als habe er in Arizona das nüchterne Fazit von Gerhard Schröder über die zur Neige gehenden rot-grünen Jahre im Ohr. Streng ist Hammerstein, Jahrgang 1958, mit seiner Generation ins Gericht gegangen. Aber die Post-68er waren nicht nur in Sachen Selbstverliebtheit stark, sondern auch in Selbstkritik.

Lukas Hammerstein. Video. Roman. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main. 240 Seiten, 18,90 €.

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