Genervt von der Partei : Links-Realo gibt auf

Der Linkspolitiker Carl Wechselberg gehört zu den profiliertesten Experten von Rot-Rot und ist über die Fraktionsgrenzen hinweg geschätzt. Jetzt stellt er aber seine Ämter zur Verfügung - weil ihm der Kurs der "Radikalisierung" missfällt, den Oskar Lafontaine fährt. Und Wechselberg würde sogar noch weitere Konsequenzen ziehen.

Lars von Törne

Beim Vergleich der Berliner Linken mit der Bundespartei kann man den Eindruck gewinnen, es seien zwei unterschiedliche Parteien. Hier pragmatische Realpolitiker, die mit der SPD die Stadt fast reibungslos verwalten – dort verbalradikale Fundamentalopposition. Nun gibt es ein prominentes Opfer des Balanceakts: Carl Wechselberg (40), der weit über seine Fraktion hinaus geschätzte haushaltspolitische Sprecher der Linken im Abgeordnetenhaus, gibt auf. Er zieht sich aus dem einflussreichen Hauptausschuss zurück, gibt sein Amt als haushaltspolitischer Sprecher der Fraktion ab – und denkt darüber nach, aus der Partei auszutreten, der er seit 1991 angehört und für die er seit 2003 im Abgeordnetenhaus sitzt. Der Grund? „Ein wachsender Dissens mit der Ausrichtung der Bundespartei.“ Vor allem die von Bundestagsfraktionschef Oskar Lafontaine forcierte „Radikalisierung“ macht es für Wechselberg schwer, seriöse und an der Realität orientierte Politik zu machen. Dennoch will er, gegebenenfalls auch als parteiloser Abgeordneter, „dem rot-roten Projekt bis Ende der Legislaturperiode verbunden bleiben“. Wie, ist noch offen.

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