Berlin : Genknäuel

Hartmut Wewetzer

Wir sind alle Afrikaner. Vor knapp 200000 Jahren stand hier, im Osten des Kontinents, die Wiege des modernen Menschen. Von dort trat er seinen Siegeszug in die ganze Welt an. Der amerikanische Wissenschaftsautor Steve Olson erzählt die faszinierende Geschichte unserer Herkunft und Entwicklung mit leichter Hand. Er kann sich dabei auf eine Fülle neuer Erkenntnisse stützen, vor allem aus der Genetik. Die nämlich ermöglicht es, Verwandschaftsbeziehungen der Völker bis tief in die Vergangenheit hinein zu ermitteln.

Dabei gelingt es dem Autor, komplexe Zusammenhänge dem Leser fast im Plauderton nahezubringen. Und dazu mit einer tief humanen Botschaft. Sie lautet: Die Gene sind der sicherste Beweis dafür, dass der Rassismus, der Glaube an die naturgegebene Überlegenheit von Hautfarbe oder Herkunft, keinerlei wissenschaftliche Basis hat. Das hängt vor allem damit zusammen, dass alle Menschen eng miteinander verwandt sind – immerhin sind wir zu 99,9 Prozent genetisch identisch. Und es hängt damit zusammen, dass sich Bevölkerungsgruppen wieder und wieder untereinander vermischt haben. Die Geschichte der Menschen ähnelt so einem riesigen Wollknäuel: verworren, verstrickt – und doch ein einziger Faden.

Steve Olson: Herkunft und Geschichte des Menschen. Was die Gene über unsere Vergangenheit verraten. Aus dem Amerik. von Ulrike Bischoff. Berlin Verlag, Berlin. 422 S., 22 €.

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