Berlin : Genlabor mit höchster Gefahrenstufe

Sigrid Kneist

Berlin soll jetzt das erste Hochsicherheitslabor für Genforschung erhalten. Dort kann an hochgefährlichen Erregern wie dem Ebola- oder dem Marburg-Virus gentechnisch geforscht werden. Das Robert-Koch-Institut hat die Genehmigung dafür beim Landesamt für Gesundheit und Soziales beantragt. Wie Landesamt-Präsident Franz Allert gestern bei der Vorstellung seines Jahresberichts 2006 sagte, ist damit zu rechnen, dass das Verfahren im Herbst abgeschlossen sein wird. Höchste Sicherheitsvorkehrungen sollen nach Allerts Worten dafür sorgen, dass keine Viren nach draußen dringen und die Gesundheit der Bevölkerung gefährden.

Das Labor mit der Sicherheitsstufe 4 soll Bestandteil eines Neubaus werden, den das Robert-Koch-Institut an der Seestraße in Wedding für die biologische Forschung bauen will. Nach Angaben von Instituts-Sprecherin Susanne Glasmacher ist der Standort ideal, weil er in unmittelbarer Nähe zur Isolier-Station des zur Charité gehörenden Rudolf-Virchow-Klinikums liegt, so dass Krankheitserreger ohne Zeitverzögerungen schnell untersucht werden können. Das könne für Patienten lebensrettend sein. Gentechnische Forschung mit dieser Sicherheitsstufe gibt es bisher nicht in Deutschland. In Marburg und Hamburg sind ebenfalls derartige Labors geplant.

Für die Arbeit mit dem Aids-Erreger HIV gilt die Sicherheitsstufe 3. Auch dort gelten schon sehr hohe Standards. Beispielsweise dürfen diese Labore nur durch Schleusen betreten werden; die Abluft darf nur durch spezielle Filter nach draußen gelangen. Von diesen Einrichtungen gibt es acht in Berlin. Insgesamt wird in Berlin laut Landesamt an rund 450 Einrichtungen gentechnisch geforscht und gearbeitet, überwiegend im medizinischen Bereich. Kein anderer Standort in Deutschland verfüge über so viele Einrichtungen, sagte Landesamts-Chef Allert: „Berlin ist die Hauptstadt der Genforschung.“ Das liege auch daran, dass ein Schwerpunkt der Wirtschaftspolitik des Senats die Medizin- und Biotechnik ist. Sigrid Kneist

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